Die All-Weather-Strategie soll ein Portfolio nicht von einer einzigen Prognose über Wachstum, Inflation oder Zinsen abhängig machen. Statt vorherzusagen, welches wirtschaftliche Umfeld als Nächstes eintritt, werden unterschiedliche Risiken und Marktreaktionen miteinander kombiniert.
Dieser Gedanke ist gerade heute relevant. Inflation kann zurückgehen und später erneut anziehen. Wachstumsaussichten können sich verändern, Zinsen können länger hoch bleiben oder wieder fallen, und geopolitische Konflikte können Rohstoff- und Finanzmärkte gleichzeitig beeinflussen. Aus solchen Unsicherheiten folgt jedoch keine feste Portfolioformel und erst recht kein Schutz vor Verlusten.
Kurzantwort: Die All-Weather-Strategie wurde bei Bridgewater Associates unter maßgeblicher Beteiligung von Ray Dalio entwickelt. Sie verteilt nicht einfach gleiche Geldbeträge auf vier Anlageklassen, sondern versucht, Risiken gegenüber steigender und fallender Inflation sowie stärkerem und schwächerem Wachstum auszubalancieren. Gold und andere Rohstoffe sollen vor allem bei unerwartet steigender Inflation oder monetären Spannungen andere Eigenschaften als Aktien und nominale Anleihen einbringen. Eine offiziell veröffentlichte, für jeden geeignete feste Prozentaufteilung gibt es nicht.
Was ist die All-Weather-Strategie?
All Weather ist ein institutionelles Portfoliokonzept von Bridgewater Associates. Die zugrunde liegende Frage lautet: Wie lässt sich ein Portfolio so konstruieren, dass nicht eine einzige wirtschaftliche Überraschung den größten Teil seines Risikos bestimmt?
Bridgewater entwickelte den Ansatz über viele Jahre. Die vollständig ausgearbeitete Strategie entstand 1996 zunächst für das Treuhandvermögen von Ray Dalio. Später wurde sie von institutionellen Anlegern genutzt und zu einer wichtigen Grundlage der Risk-Parity-Bewegung.[1]
Das Ziel ist keine Vorhersagefreiheit im wörtlichen Sinn. Auch All Weather beruht auf Annahmen darüber, wie Vermögenswerte auf wirtschaftliche Veränderungen reagieren. Der entscheidende Unterschied liegt darin, mehrere mögliche Entwicklungen gleichzeitig zu berücksichtigen und ihre Risikobeiträge auszubalancieren.
Der Name ist ein Ziel, keine Garantie
„All Weather“ bedeutet nicht, dass die Strategie in jedem Monat oder jedem Marktumfeld Gewinne erzielt. Aktien, Anleihen, Gold, Rohstoffe und andere Bestandteile können gleichzeitig fallen. Der Name beschreibt den Konstruktionsgedanken, nicht ein Leistungsversprechen.
Wer entwickelte All Weather?
Die Strategie wird häufig verkürzt als „Ray Dalios All-Weather-Portfolio“ bezeichnet. Ray Dalio gab wichtige Impulse, doch Bridgewater nennt auch Bob Prince, Greg Jensen, Dan Bernstein und weitere Mitarbeiter als Beteiligte an der Entwicklung.[1]
Ein prägendes Erlebnis war das Ende der Goldkonvertibilität des US-Dollars im August 1971. Dalio erwartete nach der Ankündigung von US-Präsident Richard Nixon zunächst fallende Aktienkurse. Tatsächlich stiegen am folgenden Tag sowohl Aktien als auch Gold. Für Bridgewater wurde daraus eine grundlegende Einsicht: Märkte reagieren nicht allein auf eine Nachricht, sondern darauf, wie die neue Entwicklung von den bereits eingepreisten Erwartungen abweicht.
Diese Unterscheidung ist für das gesamte Modell zentral. Nicht nur hohe oder niedrige Inflation zählt, sondern vor allem, ob die Inflation höher oder niedriger ausfällt als vom Markt erwartet. Dasselbe gilt für das Wirtschaftswachstum.
Welche vier wirtschaftlichen Umfelder unterscheidet das Modell?
Populäre Darstellungen sprechen häufig von Wachstum, Rezession, Inflation und Deflation. Das ist verständlich, aber ungenau. Bridgewaters ursprüngliches Raster kombiniert zwei wirtschaftliche Einflussgrößen mit ihrer Richtung relativ zu den Markterwartungen:[1]
- Wachstum steigt stärker als erwartet.
- Wachstum entwickelt sich schwächer als erwartet.
- Inflation steigt stärker als erwartet.
- Inflation fällt stärker als erwartet.
Mehrere dieser Entwicklungen können gleichzeitig auftreten. Starkes Wachstum und steigende Inflation sind ebenso möglich wie schwaches Wachstum bei hoher Inflation. Das Modell besteht deshalb nicht aus vier sauber voneinander getrennten Kalenderphasen.
Steigendes Wachstum
Übertrifft das Wirtschaftswachstum die Erwartungen, können Unternehmen höhere Umsätze und Gewinne erzielen. Aktien und Unternehmensanleihen können davon profitieren. Entscheidend bleibt jedoch die Überraschung: Selbst positive Wachstumszahlen können Kurse belasten, wenn zuvor noch bessere Zahlen erwartet wurden.
Fallendes Wachstum
Bleibt das Wachstum hinter den Erwartungen zurück, geraten Unternehmensgewinne und risikoreichere Kredite häufig unter Druck. Nominale Staatsanleihen können in bestimmten Situationen gegenläufig reagieren, insbesondere wenn Marktteilnehmer mit sinkenden Leitzinsen und geringerer Inflation rechnen.
Steigende Inflation
Unerwartet steigende Inflation kann nominale Anleihen belasten, weil deren feste Zahlungen real an Wert verlieren und höhere Zinsen wahrscheinlicher werden. Rohstoffe und inflationsindexierte Anleihen sollen in der All-Weather-Logik einen anderen Bezug zu diesem Umfeld herstellen. Gold kann zusätzlich auf Währungsabwertung, geopolitische Risiken und sinkendes Vertrauen in staatliche Zahlungsversprechen reagieren.
Fallende Inflation
Sinkt die Inflation stärker als erwartet, können nominale Anleihen an Attraktivität gewinnen. Entwickelt sich daraus eine Deflation, steigt die reale Last von Schulden, während wirtschaftliche Aktivität und Unternehmensgewinne unter Druck geraten können. Auch hier hängt die tatsächliche Marktreaktion von Zinsen, Ausgangsbewertungen und den bereits eingepreisten Erwartungen ab.
Welche Anlageklassen spielen in der All-Weather-Strategie eine Rolle?
Bridgewaters Darstellung von 2012 ordnet den vier Umfeldern nicht jeweils nur eine Anlageklasse zu. Genannt werden unter anderem Aktien, nominale und inflationsindexierte Anleihen, Unternehmens- und Schwellenländerkredite sowie Rohstoffe. Jeder Bereich soll mehrere liquide Märkte enthalten, die auf unterschiedliche wirtschaftliche Überraschungen reagieren.[1]
Aktien und Unternehmensrisiken
Aktien stehen vor allem für die Beteiligung an wirtschaftlicher Aktivität und Unternehmensgewinnen. Auch Unternehmensanleihen und bestimmte Schwellenländeranlagen können von besserem Wachstum profitieren. Sie besitzen jedoch Kredit-, Bewertungs-, Währungs- und Liquiditätsrisiken.
Nominale Staatsanleihen
Nominale Staatsanleihen können bei fallender Inflation und schwächerem Wachstum stabilisierend wirken, wenn zugleich die Marktzinsen sinken. Bei steigenden Zinsen oder unerwarteter Inflation kann sich dieser Effekt umkehren. Lange Laufzeiten reagieren besonders empfindlich auf Zinsänderungen.
Inflationsindexierte Anleihen
Bei inflationsindexierten Anleihen werden Zahlungen nach festgelegten Regeln an einen Preisindex gekoppelt. Bridgewater betrachtet sie als wichtigen Baustein für Inflationsrisiken. Sie bleiben dennoch Anleihen und besitzen unter anderem Kurs-, Realzins-, Emittenten- und Liquiditätsrisiken.
Gold und andere Rohstoffe
Rohstoffe werden im Modell vor allem mit steigender Inflation verbunden. Dazu können Energie, Industriemetalle und Agrarrohstoffe gehören. Gold nimmt eine besondere Stellung ein, weil seine Nachfrage nicht nur durch Produktion und Verbrauch, sondern auch durch Währungs-, Reserve- und Vertrauensfragen beeinflusst wird.
Bargeld und kurzfristige Liquidität
Bargeld ist im All-Weather-Konzept keine gleich gewichtete Säule wie im Permanent Portfolio nach Harry Browne. Bridgewater behandelt die Verzinsung von Bargeld vielmehr als Ausgangspunkt, von dem Marktprämien und aktive Entscheidungen getrennt werden. In der praktischen Umsetzung bleiben Liquidität und Sicherheiten trotzdem wichtig, besonders wenn Derivate oder Hebel eingesetzt werden.
Was bedeutet Risk Parity?
Risk Parity bedeutet vereinfacht, dass ein Portfolio nicht nur nach investierten Geldbeträgen, sondern nach Risikobeiträgen beurteilt wird. Eine Anlageklasse mit hoher Schwankungsintensität kann das Gesamtrisiko dominieren, obwohl ihr Kapitalanteil nicht besonders groß ist.
Der Mechanismus war älter als der heute gebräuchliche Oberbegriff: Bridgewater führte All Weather 1996 ein. Edward Qian von PanAgora Asset Management prägte den Begriff „Risk Parity“ nach eigener Darstellung erst 2005. All Weather gilt damit als Wegbereiter der später so bezeichneten Bewegung, ist aber nicht mit jeder Risk-Parity-Umsetzung identisch.[1][7]
Gleiche Geldbeträge sind nicht dasselbe wie gleiche Risiken
Ein Portfolio aus gleich viel Aktien und Staatsanleihen ist deshalb nicht automatisch ausgewogen. Aktien schwanken häufig stärker als hochwertige Staatsanleihen. In einer solchen Mischung kann ein großer Teil des Gesamtrisikos aus dem Aktienbaustein stammen.
All Weather versucht, die Risikobeiträge verschiedener wirtschaftlicher Umfelder einander anzunähern. In Bridgewaters ursprünglicher Darstellung erhält jedes der vier Umfelder ein Viertel des Risikos. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass jeweils 25 Prozent des Geldes in Aktien, Anleihen, Gold und Rohstoffe investiert werden.[1]
Warum spielen Hebel und Derivate eine Rolle?
Weniger volatile Anlagen wie hochwertige Staatsanleihen benötigen einen höheren Kapitalanteil, wenn ihr Risikobeitrag an den von Aktien angeglichen werden soll. Institutionelle Risk-Parity-Strategien können deshalb Futures, Swaps oder andere Formen der Hebelung verwenden. Der Hebel soll das Risiko eines breiter gestreuten Ausgangsportfolios auf ein bestimmtes Niveau anheben.[3]
Das erhöht jedoch die Komplexität. Finanzierungskosten, Nachschusspflichten, Gegenparteirisiken, Liquiditätsengpässe und fehlerhafte Risikomodelle können Verluste verstärken. Bridgewater selbst weist darauf hin, dass Hebel, Futures, Optionen und andere Derivate erhebliche Risiken besitzen.[2]
Gibt es eine offizielle feste All-Weather-Aufteilung?
Nein, Bridgewater veröffentlicht keine allgemeingültige feste Prozentaufteilung für Privatanleger. Die institutionelle Strategie beruht auf Risikobeiträgen, Volatilitäten, Korrelationen, liquiden Märkten und einer laufenden Portfoliosteuerung. Bridgewater erklärte 2025, dass die Strategie inzwischen in nahezu allen großen liquiden Märkten investiert und tatsächliche Positionen unter anderem wegen Kundenbeschränkungen, Rebalancing und Transaktionskosten variieren können.[2]
Im Internet kursieren vereinfachte Musterportfolios mit festen Quoten für Aktien, lang- und mittelfristige Anleihen, Gold und Rohstoffe. Solche Aufteilungen können die Grundidee veranschaulichen. Sie sind aber nicht mit der institutionellen All-Weather-Strategie von Bridgewater gleichzusetzen.
Wer eine feste Internetaufteilung als „offizielle Ray-Dalio-Formel“ bezeichnet, vermischt drei verschiedene Ebenen:
- Bridgewaters institutionelle All-Weather-Strategie,
- das allgemeine Prinzip der Risikoparität,
- vereinfachte Modellportfolios für Privatanleger.
Diese Trennung ist entscheidend, weil gleiche Kapitalquoten etwas anderes bewirken als gleiche Risikobeiträge.
Warum spielt Gold in der All-Weather-Strategie eine Rolle?
Gold kann Werttreiber besitzen, die sich von Unternehmensgewinnen und festen Anleihezahlungen unterscheiden. Bridgewater ordnete Rohstoffe bereits im ursprünglichen Modell den Bereichen steigender Inflation zu. In einer aktuellen Darstellung von 2025 nennt das Unternehmen Gold zusätzlich im Zusammenhang mit geopolitischen Risiken und hoher Staatsverschuldung.[2]
Gold bei unerwarteter Inflation und Währungsabwertung
Steigt die Inflation überraschend, verlieren feste zukünftige Geldzahlungen real an Kaufkraft. Gold besitzt keine feste nominale Zahlung und keine Bindung an die Bonität eines einzelnen Unternehmens. Dadurch kann es in bestimmten Inflations- oder Abwertungsphasen anders reagieren als nominale Anleihen.
Das Wort „kann“ ist wichtig. Der Goldpreis hängt auch von Realzinsen, US-Dollar, Notenbanknachfrage, Marktpositionierung, Schmuck- und Investmentnachfrage sowie geopolitischen Erwartungen ab. Gold bildet deshalb weder die Verbraucherpreisinflation punktgenau ab noch steigt es bei jeder Inflationsmeldung.
Gold und andere Rohstoffe sind nicht dasselbe
Energie- und Industriemetalle werden laufend verbraucht und reagieren stark auf Konjunktur, Produktionskapazitäten und Lieferketten. Gold wird zu großen Teilen gehalten, wiederverkauft und als Reserve genutzt. Deshalb können Gold, Öl, Kupfer und Agrarrohstoffe zeitweise sehr unterschiedlich verlaufen.
Ein konkretes Beispiel liefert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich für den Zeitraum vom 29. November 2021 bis zum 21. Februar 2022: Obwohl sich der globale Inflationsdruck verstärkte und Energiepreise deutlich stiegen, blieb Gold in diesem klar abgegrenzten Dreimonatsfenster weitgehend unverändert. Der Betrachtungszeitraum endete drei Tage vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine und bildet die anschließende Goldpreisreaktion daher ausdrücklich nicht ab.[6] Ein einzelner Rohstoff ersetzt deshalb keinen breit angelegten Inflationsbaustein.
Gold zahlt keine laufenden Erträge
Physisches Gold erzeugt weder Zinsen noch Unternehmensgewinne. Das Ergebnis hängt vom später erzielbaren Verkaufspreis ab. Hinzu kommen je nach Form Aufgeld, Handelsspanne, Lagerung und Versicherung. Eine Einordnung des Metallpreises bietet der Beitrag zum aktuellen Goldpreis.
Welches Gold ist mit dem Modell gemeint?
Die institutionelle All-Weather-Strategie zielt auf liquide Marktpositionen und Risikoeigenschaften. Damit ist nicht automatisch eine bestimmte Form des Goldbesitzes vorgeschrieben. Möglich sind je nach Umsetzung unter anderem Goldderivate, börsengehandelte Instrumente oder physisches Anlagegold. Diese Varianten unterscheiden sich bei Eigentumsstruktur, Kosten, Liquidität und Gegenparteirisiko.
Für physisches Gold gilt folgende Abgrenzung:
| Form | Wichtigste Werttreiber | Nähe zur All-Weather-Goldfunktion |
|---|---|---|
| Goldbarren | Goldgehalt, Goldpreis und Handelsspanne | Hoch, wenn der Preis überwiegend dem Metallwert folgt |
| Bullionmünzen | Goldgehalt, Goldpreis und marktübliches Aufgeld | Hoch bis mittel, abhängig von Aufgeld und Handelbarkeit |
| Zertifizierte Sammlermünzen | Goldgehalt, Seltenheit, Erhaltung, Zertifizierung und Sammlernachfrage | Geringer, weil zusätzliche numismatische Werttreiber bestehen |
Die Unterschiede zwischen Sammlermünzen und Anlagemünzen sind hier wesentlich. Ein Krügerrand als gängige Bullionmünze folgt einer anderen Preislogik als eine seltene Proof-Ausgabe mit niedriger Auflage und außergewöhnlicher Erhaltung.
Gehören zertifizierte Sammlermünzen in ein All-Weather-Portfolio?
Nicht als automatischer Ersatz für den Gold- oder Rohstoffbaustein. Bei modernen zertifizierten Goldraritäten kann der reine Metallwert nur einen Teil des Marktpreises erklären. Weitere Faktoren sind:
- Auflage und tatsächlich verfügbare Stückzahl,
- NGC- oder PCGS-Bewertung,
- Proof- oder Reverse-Proof-Qualität,
- Population und Top-Pop-Status,
- Herkunft, Dokumentation und Zubehör,
- Nachfrage im spezialisierten Sammlermarkt.
Diese Merkmale können den Preis einer Münze vom Goldpreis entkoppeln. Gleichzeitig kann der Käuferkreis kleiner sein als bei standardisiertem Bullion. Die Entstehung von Sammlerwert folgt damit einer zusätzlichen Marktlogik.
Eine NGC- oder PCGS-Zertifizierung verbessert die Dokumentation von Echtheit und Erhaltung. Sie garantiert weder einen bestimmten Verkaufspreis noch eine zukünftige Wertentwicklung. Das Basiswissen zu zertifizierten Sammlermünzen erklärt diese eigenständige Kategorie ausführlicher.
Die Kompetenz von Wasserthal RareCoin.Store liegt deshalb nicht in der Nachbildung eines All-Weather-Portfolios. Sie liegt in der fachlichen Unterscheidung zwischen standardisiertem Anlagegold und modernen zertifizierten Goldraritäten mit dokumentierter Seltenheit und Qualität.
Welche Rolle spielen andere Rohstoffe?
Ein breiter Rohstoffbaustein kann Energie, Industriemetalle, Edelmetalle und Agrarrohstoffe umfassen. Die einzelnen Märkte reagieren auf unterschiedliche Faktoren:
- Energie: Fördermengen, Lagerbestände, Transportwege, Wetter und geopolitische Konflikte
- Industriemetalle: Weltkonjunktur, Bauwirtschaft, Infrastruktur und Produktionskapazitäten
- Agrarrohstoffe: Ernten, Wetter, Anbauflächen, Lagerbestände und Handelspolitik
- Edelmetalle: industrielle Nachfrage, Investmentnachfrage, Währungen und Realzinsen
Institutionelle Rohstoffpositionen werden häufig über Futures umgesetzt. Dabei kann die Entwicklung eines Anlageprodukts vom sichtbaren Kassapreis abweichen, etwa durch das regelmäßige Ersetzen auslaufender Terminkontrakte. Kosten und Rollmechanismen gehören deshalb zur tatsächlichen Rendite- und Risikobetrachtung.
Goldmünzen sind somit kein Ersatz für einen breit gestreuten Rohstoffkorb. Umgekehrt bildet ein Rohstoffindex weder numismatische Seltenheit noch Sammlerwert ab.
Warum ist die All-Weather-Idee heute relevant?
Die heutige Relevanz liegt weniger in einer vermeintlich zeitlosen Musteraufteilung als in der Frage, welche wirtschaftlichen Überraschungen ein Portfolio tatsächlich bestimmen.
Viele Vermögensaufteilungen wirken auf den ersten Blick breit gestreut, hängen aber überwiegend von Aktienkursen, Wirtschaftswachstum oder fallenden Zinsen ab. All Weather lenkt den Blick deshalb auf verborgene Konzentrationen:
- Wie stark hängt das Gesamtvermögen von Unternehmensgewinnen ab?
- Wie empfindlich reagieren die Anleihepositionen auf Zinsänderungen?
- Welche Bausteine reagieren auf unerwartete Inflation?
- Welche Währungsrisiken bestehen?
- Sind mehrere Positionen in Stressphasen doch von derselben Liquidität abhängig?
Diese Fragen passen zum Grundgedanken der Drei-Speichen-Regel, ohne dass beide Modelle gleichgesetzt werden dürfen. Die Drei-Speichen-Regel ist ein historischer Diversifikationsgedanke. All Weather ist dagegen ein modernes institutionelles Risikomodell.
Auch das magische Dreieck der Geldanlage stellt eine andere Frage. Es beschreibt den Zielkonflikt zwischen Sicherheit, Rendite und Liquidität, gibt aber keine Portfoliozusammensetzung vor.
Welche Stärken besitzt die All-Weather-Strategie als Denkmodell?
Sie nimmt Prognosefehler ernst
Das Modell geht davon aus, dass selbst erfahrene Marktteilnehmer wirtschaftliche Wendepunkte nicht zuverlässig vorhersehen. Deshalb sollen nicht alle Bausteine von derselben Erwartung abhängen.
Sie unterscheidet Kapital und Risiko
Ein hoher Kapitalanteil muss nicht den größten Risikobeitrag liefern. Umgekehrt kann eine kleinere, stark schwankende Position das Gesamtportfolio prägen. Diese Perspektive macht scheinbare Diversifikation sichtbar.
Sie betrachtet Inflation und Wachstum getrennt
Schwaches Wachstum muss nicht mit niedriger Inflation einhergehen. Stagflation zeigt, dass beide Einflussgrößen in unterschiedliche Richtungen laufen können. Das Vier-Felder-Raster kann solche Kombinationen besser erfassen als eine reine Einteilung in Aufschwung und Rezession.
Sie gibt Gold und Rohstoffen eine klar begründete Funktion
Gold und Rohstoffe werden nicht pauschal als „sicher“ bezeichnet. Ihre Rolle entsteht daraus, dass sie auf bestimmte Inflations-, Währungs- und Angebotsentwicklungen anders reagieren können als Aktien und nominale Anleihen.
Welche Grenzen und Risiken hat die Strategie?
Risk Parity ist komplex
Risikobeiträge lassen sich nicht direkt beobachten. Sie werden aus Volatilitäten, Korrelationen und weiteren Annahmen berechnet. Ändern sich diese Zusammenhänge, kann eine zuvor ausgewogene Konstruktion plötzlich anders reagieren. Deshalb erfordern institutionelle Risk-Parity-Portfolios eine laufende Risikosteuerung und Anpassung.[4]
Das erste Halbjahr 2022 zeigte diese Grenze besonders deutlich: Auf Total-Return-Basis in US-Dollar verlor der S&P 500 rund 20 Prozent. Gleichzeitig fiel der S&P U.S. Treasury Bond 7-10 Year Index um 10,6 Prozent.[8] Aktien und nominale Staatsanleihen wirkten in dieser Phase also nicht gegenläufig, sondern standen gemeinsam unter Druck. Eine Risikostreuung verliert zeitweise an Wirkung, wenn sich die Kurse wichtiger Bausteine stärker gleichgerichtet bewegen als im Modell angenommen.
Hebel kann Verluste verstärken
Der Einsatz von Fremdfinanzierung oder Derivaten kann notwendig sein, um risikoärmere Bausteine stärker wirken zu lassen. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Finanzierungs-, Liquiditäts- und Gegenparteirisiken. Eine vereinfachte private Umsetzung ohne Hebel ist daher nicht dieselbe Strategie.
Anleihen sind nicht automatisch stabil
Steigen Inflation und Zinsen schnell, können lang laufende nominale Anleihen deutlich im Kurs fallen. Wenn gleichzeitig Aktien unter höheren Finanzierungskosten leiden, kann die erwartete Gegenbewegung zeitweise ausbleiben.
Gold und Rohstoffe können lange schwach bleiben
Gold zahlt keine laufenden Erträge. Rohstoffmärkte können stark schwanken und von politischen Eingriffen, Terminmarktstrukturen oder Nachfrageeinbrüchen beeinflusst werden. Eine Funktion im Modell ist keine Zusage für eine positive Wertentwicklung.
Rebalancing verursacht Aufwand und Kosten
Wenn sich Volatilitäten und Marktwerte verändern, müssen Positionen angepasst werden. Dabei können Transaktionskosten, Steuern, Handelsspannen und ungünstige Verkaufszeitpunkte entstehen.
„All Weather“ beseitigt kein Verlustrisiko
Diversifikation kann Abhängigkeiten reduzieren. Sie kann nicht verhindern, dass mehrere Anlageklassen gleichzeitig fallen oder dass ein gesamtes Portfolio zeitweise deutlich an Wert verliert.
Lässt sich die Strategie auf Deutschland übertragen?
Nicht unverändert. Die institutionelle All-Weather-Strategie wurde aus einer US-amerikanischen und globalen Marktperspektive entwickelt. Ein deutscher Leser plant meist in Euro und unterliegt anderen steuerlichen, regulatorischen und produktbezogenen Bedingungen.
Eine Übertragung wirft unter anderem folgende Fragen auf:
- Welche Staatsanleihen und Emittenten sollen den Anleihebaustein bilden?
- Sollen Fremdwährungsrisiken abgesichert werden?
- Welche inflationsindexierten Anleihen sind tatsächlich verfügbar und liquide?
- Wie werden Rohstoffe technisch abgebildet?
- Welche Kosten entstehen durch Fonds, Derivate, Verwahrung und Rebalancing?
- Wie verändern Steuern die einzelnen Bausteine?
Ein aktuelles Beispiel zeigt den Unterschied zur US-Perspektive: Deutschland begibt seit 2024 keine neuen inflationsindexierten Bundeswertpapiere mehr. Bereits umlaufende Titel können weiterhin gehandelt werden, doch das verfügbare Angebot entwickelt sich anders als der US-Markt für TIPS.[5]
Sobald Anlageklassen, Währungen, Risikoziele oder Instrumente verändert werden, entsteht eine eigene Umsetzung. Das kann sachlich sinnvoll sein, ist aber nicht mehr mit Bridgewaters institutioneller Strategie identisch.
Wie unterscheidet sich All Weather vom Permanent Portfolio?
Beide Modelle wollen nicht von einer einzigen Wirtschaftsprognose abhängig sein. Ihre Konstruktion ist dennoch grundverschieden.
| Merkmal | All-Weather-Strategie | Permanent Portfolio |
|---|---|---|
| Ursprung | Bridgewater Associates, institutionelles Risikomodell | Harry Browne, vereinfachtes Modell für Privatanleger |
| Grundprinzip | Ausgleich von Risikobeiträgen | Vier gleiche Kapitalanteile |
| Wirtschaftliche Einteilung | Steigende oder fallende Wachstums- und Inflationserwartungen | Prosperität, Deflation, Rezession und Inflation |
| Anlageklassen | Breites Spektrum liquider Märkte | Aktien, langfristige Staatsanleihen, Bargeld und Gold |
| Gewichtung | Keine allgemein veröffentlichte feste Kapitalquote | Klassisch viermal 25 Prozent |
| Umsetzung | Risikomodelle, Rebalancing und häufig Derivate | Vergleichsweise einfache feste Aufteilung |
Das Permanent Portfolio ist leichter nachzuvollziehen, aber starrer. All Weather ist flexibler und risikoorientiert, dafür erheblich komplexer. Die beiden Modelle dürfen trotz ähnlicher Grundidee nicht als Varianten derselben Prozentregel behandelt werden.
Häufige Fragen zur All-Weather-Strategie
Was ist die All-Weather-Strategie einfach erklärt?
Sie versucht, ein Portfolio so auf unterschiedliche Wachstums- und Inflationsentwicklungen zu verteilen, dass keine einzelne wirtschaftliche Überraschung das gesamte Risiko dominiert.
Hat Ray Dalio die All-Weather-Strategie allein entwickelt?
Nein. Ray Dalio gab wesentliche Impulse. Bridgewater nennt außerdem Bob Prince, Greg Jensen, Dan Bernstein und weitere Mitarbeiter, die an der Entwicklung beteiligt waren.
Welche vier Marktphasen verwendet das Modell?
Genau genommen geht es um stärker oder schwächer als erwartet ausfallendes Wachstum sowie höher oder niedriger als erwartet ausfallende Inflation. Wachstum, Rezession, Inflation und Deflation sind nur vereinfachte Bezeichnungen.
Wie hoch ist der offizielle Goldanteil?
Bridgewater veröffentlicht keine allgemeingültige feste Goldquote für Privatanleger. Die institutionelle Strategie verteilt Risiken und nicht einfach feste Geldbeträge auf einzelne Anlageklassen.
Warum gehören Gold und Rohstoffe zum Modell?
Sie können bei unerwartet steigender Inflation, Angebotsengpässen, Währungsabwertung oder geopolitischen Spannungen anders reagieren als Aktien und nominale Anleihen. Daraus folgt keine sichere oder stets positive Wertentwicklung.
Sind Gold und Rohstoffe dasselbe?
Nein. Gold besitzt neben seiner Rohstoffeigenschaft eine monetäre und reservebezogene Rolle. Energie, Industriemetalle und Agrarrohstoffe werden stärker durch Produktion, Verbrauch, Wetter und Konjunktur beeinflusst.
Sind zertifizierte Goldmünzen ein All-Weather-Baustein?
Nicht automatisch. Bei zertifizierten Sammlermünzen beeinflussen Seltenheit, Erhaltung, Population und Sammlernachfrage den Preis zusätzlich zum Goldwert. Sie sind deshalb nicht mit einer liquiden Goldmarktposition gleichzusetzen.
Ist die All-Weather-Strategie sicher?
Nein. Auch ein breit gestreutes Portfolio kann Verluste erleiden. Hebel, Derivate, Zinsänderungen, Währungen, Inflation und veränderte Korrelationen schaffen zusätzliche Risiken.
Eignet sich die Strategie für deutsche Anleger?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die institutionelle US-Strategie kann wegen anderer Märkte, Währungen, Produkte, Steuern und Kosten nicht unverändert auf Deutschland übertragen werden.
Fazit: Risikostreuung statt Wettergarantie
Die All-Weather-Strategie ist kein festes Rezept aus Aktien, Anleihen, Gold und Rohstoffen. Ihr Kern liegt in einer anderen Perspektive: Nicht gleiche Geldbeträge, sondern möglichst ausgewogene Risiken gegenüber Wachstums- und Inflationsüberraschungen stehen im Mittelpunkt.
Gold und andere Rohstoffe erhalten darin eine nachvollziehbare Funktion. Sie können bei unerwarteter Inflation, Währungsabwertung, Angebotsengpässen oder geopolitischen Spannungen anders reagieren als Aktien und nominale Staatsanleihen. Sie sind deshalb aber weder automatisch sicher noch in jeder Marktphase erfolgreich.
Für Wasserthal RareCoin.Store ist eine weitere Trennung entscheidend: Eine standardisierte Goldmarktposition, eine Bullionmünze und eine moderne zertifizierte Goldrarität folgen nicht derselben Preislogik. Seltenheit, Erhaltung, Zertifizierung und Sammlernachfrage machen numismatische Münzen zu einer eigenständigen Kategorie.
Der bleibende Nutzen von All Weather liegt damit weniger in einer nachgebauten Internetquote als in einer Frage: Welche wirtschaftliche Annahme und welches konkrete Risiko stecken hinter jedem Baustein?
Über die Autorin
Larissa Wasserthal ist Fachautorin bei Wasserthal RareCoin.Store. Sie beschäftigt sich mit modernen zertifizierten Goldraritäten, NGC- und PCGS-zertifizierten Münzen, Proof- und Reverse-Proof-Ausgaben sowie der nachvollziehbaren Einordnung von Seltenheit, Erhaltung und Sammlerwert.
Transparenzhinweis
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und finanzhistorischen Einordnung. Er stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Die beschriebenen Anlageklassen und Risikofunktionen erklären die All-Weather-Strategie und sind keine Empfehlung für eine persönliche Vermögensaufteilung. Preise, Zinsen, Wechselkurse, Korrelationen, Steuern und rechtliche Rahmenbedingungen können sich ändern. Jede Anlageform kann Verluste verursachen.
Quellen
- Bridgewater Associates: The All Weather Story, Januar 2012, insbesondere zur Entstehung der Strategie, zum Vier-Felder-Modell und zur Verteilung von Risikobeiträgen.
- Bridgewater Associates: Investing in a New World – Capturing Opportunity and Weathering Uncertainty, 6. März 2025, insbesondere zur heutigen All-Weather-Konzeption sowie zur Rolle von Anleihen, inflationsindexierten Anleihen, Rohstoffen und Gold.
- Clifford S. Asness, Andrea Frazzini und Lasse H. Pedersen: Leverage Aversion and Risk Parity, Financial Analysts Journal, Band 68, Ausgabe 1, 2012.
- Michael A. Mendelson, Adam Berger und Daniel Villalon: Risk Parity, Risk Management and the Real World, AQR Capital Management, April 2011, zu Risikosteuerung, Rebalancing und Stressphasen.
- Deutsche Finanzagentur: Inflationsindexierte Bundeswertpapiere, insbesondere zur Indexierung, Handelbarkeit und seit 2024 ausgesetzten Neuemission.
- Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: Markets jolted, BIS Quarterly Review, März 2022, insbesondere zum Beobachtungszeitraum vom 29. November 2021 bis zum 21. Februar 2022 und zur unterschiedlichen Entwicklung von Gold und Energiepreisen.
- Edward Qian: Are Risk Parity Managers Risk Parity?, PanAgora Asset Management, November 2012, insbesondere zur Prägung des Begriffs „Risk Parity“ im Jahr 2005.
- S&P Dow Jones Indices: Defense Beyond Bonds – Defensive Strategy Indices, August 2022, insbesondere zur Total-Return-Entwicklung des S&P 500 und des S&P U.S. Treasury Bond 7-10 Year Index in US-Dollar im ersten Halbjahr 2022.
Quellen zuletzt geprüft im Juli 2026.
