London Gold Pool 1961-1968: Wie acht Notenbanken den Goldpreis verteidigten

KI-generiertes Symbolbild zum London Gold Pool mit Goldbarren vor historischen Zentralbankunterlagen

Ende Oktober 1960 wurden im Londoner Goldmarkt Geschäfte zu 40 US-Dollar je Feinunze oder darüber abgeschlossen. Offiziell galt Gold jedoch weiterhin 35 US-Dollar. Die Abweichung war mehr als eine auffällige Marktbewegung: Sie stellte die Glaubwürdigkeit des Dollars und damit die Währungsordnung von Bretton Woods infrage.

Die Reaktion folgte nicht in Form eines neuen Vertrages. Acht Notenbanken beziehungsweise Währungsbehörden schufen eine informelle Kooperation, die später als London Gold Pool bekannt wurde. Unter Führung der Bank of England kauften und verkauften sie Gold im Londoner Markt. Ihr Ziel war, den privaten Marktpreis nahe der offiziellen Dollar-Gold-Parität zu halten.

Kurzantwort: Der London Gold Pool war eine am 6. November 1961 operativ begonnene Kooperation der USA und sieben europäischer Notenbanken. Als Agent kaufte und verkaufte die Bank of England Gold in London, um den Marktpreis nahe der offiziellen Dollar-Gold-Parität zu halten. Die Interventionen endeten im März 1968. Danach bestanden ein offizieller Preis für Währungsbehörden und ein frei gebildeter Privatmarktpreis nebeneinander.

Die wichtigsten Aussagen im Überblick

  • Der Verkaufsmechanismus begann am 6. November 1961 zu arbeiten; Mitglieder und Quoten wurden am 18. November endgültig festgelegt.
  • Ursprünglich beteiligt waren die USA, Großbritannien, Westdeutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und die Schweiz.
  • Die USA trugen 50 Prozent der vereinbarten Quote; die Bank of England führte die Londoner Geschäfte aus.
  • Der Pool verkaufte nicht nur Gold. Besonders in den frühen Jahren kaufte er erhebliche Mengen und verteilte Überschüsse an seine Mitglieder.
  • 35 US-Dollar waren der offizielle Preis für Transaktionen der amerikanischen Währungsbehörden. Im Londoner Markt wurde praktisch eine enge Spanne verteidigt, deren obere Grenze häufig bei etwa 35,20 Dollar lag.
  • Frankreich stellte 1967 weitere Beiträge ein, verließ die Vereinbarung aber zunächst nicht formal und öffentlich. In der Endphase blieben sieben Mitglieder aktiv.
  • Der Pool war eine dokumentierte staatliche Marktintervention. Daraus folgt kein Beweis für eine bis heute bestehende, dauerhafte Kontrolle des weltweiten Goldpreises.

Warum wurde der London Gold Pool gegründet?

Unter Bretton Woods waren die Wechselkurse wichtiger Währungen an den US-Dollar gebunden. Die Vereinigten Staaten wiederum sagten ausländischen Währungsbehörden zu, Dollar grundsätzlich zum festgelegten Preis von 35 US-Dollar je Feinunze in Gold umzutauschen. Privatpersonen besaßen diesen Anspruch nicht.

Daneben existierte ein privater Goldmarkt. London war dessen wichtigstes Zentrum. Solange der Londoner Preis nur geringfügig über der offiziellen Parität lag, ließ sich die Differenz mit Provisionen, Versicherung und Transportkosten erklären. Ein deutlicher Preisanstieg signalisierte dagegen, dass Marktteilnehmer an der festen Dollar-Gold-Relation zweifelten.

Genau das geschah im Herbst 1960. Politische Unsicherheit, das amerikanische Zahlungsbilanzdefizit und Zweifel an der künftigen US-Währungspolitik lösten starke Nachfrage aus. Nach Angaben der Bank of England wurde Gold Ende Oktober bei oder oberhalb von 40 Dollar gehandelt. Die Bank of England verkaufte daraufhin mit Unterstützung der amerikanischen Währungsbehörden erhebliche Mengen Gold, um den Preis wieder zu senken.

Im Oktober 1961 schlugen die Vereinigten Staaten eine gemeinsame Verkaufsvereinbarung vor. Der Mechanismus begann am 6. November zu arbeiten; Mitglieder und Quoten standen am 18. November endgültig fest. Die Daten markieren damit den operativen Beginn und die abschließende Festlegung der Gruppe. Einen Staatsvertrag oder ein starres Regelwerk gab es nicht. Die Bank of England beschrieb die Konstruktion 1964 als experimentell entstandenes „gentlemen’s agreement“.

Welche acht Notenbanken gehörten dem Gold Pool an?

Die Mitglieder teilten Käufe, Verkäufe, Gewinne und Verluste nach vereinbarten Quoten. Die USA übernahmen die Hälfte. Die höchsten europäischen Anteile trugen Westdeutschland, Großbritannien, Italien und Frankreich.

MitgliedAnfangsquoteUrsprünglicher Anteil
Vereinigte Staaten50 %135 Mio. US-Dollar
Westdeutschland11 %30 Mio. US-Dollar
Großbritannien9 %25 Mio. US-Dollar
Italien9 %25 Mio. US-Dollar
Frankreich9 %25 Mio. US-Dollar
Schweiz4 %10 Mio. US-Dollar
Niederlande4 %10 Mio. US-Dollar
Belgien4 %10 Mio. US-Dollar
Gesamt100 %270 Mio. US-Dollar

Die Quoten regelten die Beteiligung an Ergebnissen und zusätzlichen Lasten; sie bezeichneten keinen stets gesondert in London gelagerten Goldbestand. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bot den Gesprächsrahmen in Basel, war aber kein neuntes Poolmitglied.

Die USA garantierten die offizielle Goldparität und trugen 50 Prozent der Poollasten. Operativ handelte jedoch die Bank of England: Sie gab Kauf- und Verkaufsaufträge, führte die gemeinsamen Konten und rechnete mit den beteiligten Notenbanken ab.

Wie wurde der Goldpreis verteidigt?

Der Gold Pool bestand aus zwei Mechanismen. Das Verkaufskonsortium stellte Gold bereit, wenn außergewöhnliche Nachfrage den Londoner Preis nach oben drückte. Das Kaufsyndikat erwarb Gold bei ausreichendem Angebot; die Käufe wurden anschließend nach vereinbarten Regeln verteilt.

Der Unterschied zwischen 35 und ungefähr 35,20 Dollar ist wichtig. Die 35 Dollar bezeichneten den offiziellen amerikanischen Goldpreis. Für eine Lieferung von New York nach London kamen Provision, Transport und Versicherung hinzu. Oberhalb dieser Versandparität konnten berechtigte Währungsbehörden Gold günstiger in den USA beziehen. Der Pool verteidigte deshalb eine enge Londoner Preisspanne, nicht exakt 35 Dollar bei jeder Transaktion.

Die Bank of England nahm nicht selbst am täglichen Fixing-Tisch teil. Sie leitete ihre Aufträge über N. M. Rothschild & Sons, den damaligen Vorsitzenden des Londoner Goldmarktes. Die Intervention war damit in den normalen Marktprozess eingebettet. Marktteilnehmer handelten weiterhin miteinander; die offizielle Seite trat lediglich als großer Käufer oder Verkäufer hinzu.

Der Pool verkaufte nicht ununterbrochen Gold

In vielen verkürzten Darstellungen erscheint der London Gold Pool als permanente Verkaufsaktion zur Unterdrückung des Goldpreises. Die zeitgenössischen Zahlen zeigen ein anderes Anfangsbild. Nach dem Probelauf vom November 1961 wurden die damals verkauften Mengen bis Ende Februar 1962 durch Käufe zurückgewonnen. 1963 musste das Verkaufskonsortium nach Darstellung der Bank of England gar nicht aktiviert werden. Stattdessen wurden mehr als 600 Millionen Dollar an gekauftem Gold unter den Teilnehmern verteilt.

Auch der Federal Reserve Bulletin vom März 1964 beschrieb eine Kauf- und eine Verkaufsvereinbarung. Naefs Reihe zeigt ab September 1964 negative Monatsoperationen: Verkäufe überwogen nun. Kumuliert blieb die seit 1961 aufgebaute Position zunächst positiv und erreichte erst gegen Ende 1966 die Nulllinie.

Warum geriet das System unter immer stärkeren Druck?

Die Interventionen fingen Preisspitzen ab, beseitigten aber nicht die Ursachen des Vertrauensverlustes. Außerhalb der USA wuchsen Dollarbestände, während der amerikanische Goldbestand sank; Inflation, expansive Finanzpolitik und Zahlungsbilanzprobleme schwächten die Parität weiter.

Zugleich geriet das Pfund unter Druck. Das traf den Pool: Großbritannien betrieb den zentralen privaten Goldmarkt, Pfund und Dollar waren wichtige Reservewährungen.

Der Jahresbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich von 1968 nannte als Hauptfaktoren die verschlechterte Zahlungs- und Reservelage Großbritanniens und der USA, besonders aber die Pfundabwertung. Das ordnet die Krise breiter ein als die Erzählung, Frankreich habe den Pool allein zu Fall gebracht.

Auch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verschärfte sich. 1967 waren die neuen Goldzuflüsse laut BIZ so gering wie seit 1960 nicht mehr: Russische Verkäufe blieben im zweiten Jahr aus, und in der zweiten Jahreshälfte gelangte wegen des südafrikanischen Zahlungsbilanzüberschusses weniger Gold an den Markt als gefördert wurde.

Welche Rolle spielte Frankreich 1967?

Frankreich kritisierte die vom Dollar geprägte Währungsordnung offen. Präsident Charles de Gaulle forderte eine stärkere Rolle des Goldes; das Land hatte zudem Dollarreserven in amerikanisches Gold umgetauscht. Später entstand daraus die verkürzte Erzählung, Frankreich habe den Pool 1967 zu Fall gebracht.

Die Aktenlage ist differenzierter. Als die Poolmittel im Juni 1967 erneut erhöht werden sollten, lehnte die Banque de France weitere Verluste beziehungsweise Zuteilungen ab. Ihre bisherige Beteiligung blieb bestehen. Eine interne Notiz empfahl, nicht formal und öffentlich auszutreten, sondern die weitere Teilnahme auszusetzen.

Im November 1967 wurde Frankreichs Haltung bekannt und verschärfte die Unsicherheit. Der Pool schrumpfte aber nicht plötzlich um neun Prozent. Frankreichs Anteil betrug 33,3 Millionen Dollar – neun Prozent des Limits von 370 Millionen, bis zu dem es zusätzliche Tranchen mitgetragen hatte. Beim späteren Stand des Goldsyndikats von 1,37 Milliarden Dollar waren das nur noch rund 2,4 Prozent. Die Beteiligung blieb bestehen. In der Endphase operierten sieben aktive Mitglieder: Belgien, Italien, die Niederlande, die Schweiz, Großbritannien, die USA und Westdeutschland.

Archivgestützte Forschung bewertet Frankreichs unmittelbaren Beitrag zum Zusammenbruch deshalb als begrenzt. Seine Haltung schwächte das Signal der Geschlossenheit und förderte Spekulation. Der Verkaufsdruck entstand jedoch vor allem aus den strukturellen Problemen des Systems, der Pfundkrise und der Flucht in Gold.

Wie brach der London Gold Pool im März 1968 zusammen?

Nach der Pfundabwertung vom 18. November 1967 stieg die Goldnachfrage sprunghaft. Das Quarterly Bulletin der Bank of England bezifferte die Verkäufe der Poolmitglieder bis zur Washingtoner Konferenz auf mehr als drei Milliarden Dollar. Naefs aus Händlerberichten berechnete Reihe saldierter Bank-of-England-Marktoperationen – überwiegend Poolgeschäfte – ergibt für diese Monate dagegen Verluste von mehr als 1,238 Milliarden Dollar, rund 1.100 Tonnen Gold. Die eine Quelle nennt also Bruttoverkäufe aller Mitglieder, die andere den Saldo Londoner Käufe und Verkäufe mit anderer Abgrenzung. Die Differenz belegt keinen Rückkauf des Pools für fast zwei Milliarden Dollar.

  • 26. November 1967: Die aktiven Poolmitglieder bekräftigten in Frankfurt, den Goldmarkt weiter nahe dem offiziellen Preis stabilisieren zu wollen.
  • 10. März 1968: Eine erneute Erklärung der beteiligten Zentralbanken in Basel konnte die Goldnachfrage nicht beruhigen.
  • 12. März: Ein internes Memorandum an Präsident Lyndon B. Johnson hielt fest, zusätzliche 500 Millionen Dollar und weitere 500 Millionen im Notfall würden bei der damaligen Nachfrage nur wenige Tage reichen.
  • 14. März: Ein weiteres Memorandum bezifferte den Tagesverlust auf 372 Millionen Dollar und warnte vor einem möglichen Verlust von einer Milliarde Dollar am folgenden Tag.
  • 15. März: Der Londoner Goldmarkt blieb geschlossen. In Paris stieg der Preis zeitweise auf mehr als 44 Dollar.
  • 16. und 17. März: Die Notenbankgouverneure der sieben aktiven Poolstaaten berieten in Washington und beendeten die Versorgung privater Goldmärkte aus offiziellen Beständen. Zugleich verlängerten sie die Schließung des Londoner Goldmarktes bis zum 29. März.

Der operative Eingriff des Pools endete somit am 15. März mit der Marktschließung. Der politische Beschluss über das neue System wurde am 17. März veröffentlicht. Beide Daten gehören zur Geschichte des Zusammenbruchs; keines sollte ohne Erklärung als alleiniger Endpunkt verwendet werden.

Was war der zweistufige Goldmarkt?

Die Washingtoner Vereinbarung schaffte den offiziellen Preis von 35 Dollar nicht sofort ab. Die Vereinigten Staaten wollten Gold mit ausländischen Währungsbehörden weiterhin zu diesem Preis kaufen und verkaufen. Offiziell gehaltenes Gold sollte künftig jedoch nur noch für Transfers zwischen Währungsbehörden verwendet werden. Die Teilnehmer beschlossen, den Londoner oder andere private Goldmärkte nicht länger zu beliefern.

Damit entstanden zwei Preisbereiche:

  • Im offiziellen Bereich galt für Transaktionen zwischen Währungsbehörden weiterhin die Parität von 35 US-Dollar je Feinunze.
  • Im privaten Markt sollte sich der Goldpreis durch Angebot und Nachfrage bilden.

Der Markt öffnete am 1. April wieder. Die fünf Bullion-Broker fixierten 38 Dollar je Feinunze – 8,6 Prozent über der offiziellen Parität. Zugleich wechselte die Notierung von Sterling zu Dollar; zum Vormittagsfixing um 10.30 Uhr kam eines um 15 Uhr für die amerikanischen Märkte hinzu. Die LBMA-Goldpreisauktionen finden bis heute vormittags und nachmittags statt, auch wenn Verfahren und Aufsicht grundlegend verändert wurden. Damit war der private Goldpreis mehr als drei Jahre vor dem Nixon-Schock freigegeben; 1971 endete auch die amerikanische Umtauschzusage für offizielle Dollarbestände.

War der London Gold Pool eine Goldpreismanipulation?

Im weiten wirtschaftlichen Sinn beeinflusste der London Gold Pool den Marktpreis gezielt. Die Teilnehmer kauften und verkauften Gold mit dem ausdrücklichen Ziel, Preisausschläge zu begrenzen und die Dollar-Gold-Parität zu schützen. Es wäre falsch, diese dokumentierte Intervention zu bestreiten oder als bloße Theorie darzustellen.

Der Begriff Manipulation benötigt trotzdem eine Einordnung. Der Pool war eine von Währungsbehörden koordinierte geldpolitische Marktintervention. Das unterscheidet ihn von betrügerischen Handelspraktiken wie Spoofing, bei denen Händler andere Marktteilnehmer durch Aufträge ohne Ausführungsabsicht täuschen. Ausführlich behandelt diese Trennung der Beitrag „Manipulation am Gold- und Silbermarkt: Was belegt ist – und was nicht“.

Der London Gold Pool beweist, dass Regierungen und Notenbanken in einem klar bestimmten Zeitraum gemeinsam in den Goldmarkt eingriffen. Er beweist nicht, dass dieselben Institutionen den Goldpreis seitdem ununterbrochen kontrollieren. Die damalige Intervention beruhte auf einer besonderen Währungsordnung, einer offiziellen Goldparität und der Konvertibilität von Dollarreserven für ausländische Währungsbehörden. Diese Voraussetzungen bestehen heute nicht mehr.

Auch das Ergebnis verlangt präzise Schlussfolgerungen. Der Pool hielt den Londoner Preis jahrelang in einer engen Spanne. Als Ungleichgewichte und Nachfrage zu groß wurden, wollten die Mitglieder die erforderlichen Verkäufe politisch und finanziell nicht länger tragen. Die Intervention endete – nicht der Markt.

Vom Gold Pool zum Nixon-Schock 1971

Der März 1968 war ein tiefer Riss im Bretton-Woods-System, aber noch nicht dessen vollständiges Ende. Der offizielle Goldverkehr zwischen Währungsbehörden bestand zunächst weiter. Gleichzeitig zeigte der freie Marktpreis sichtbar, dass Gold außerhalb des offiziellen Systems höher bewertet wurde.

Diese Trennung hielt die verbleibende Dollar-Gold-Verbindung nicht dauerhaft stabil. Am 15. August 1971 setzte Präsident Richard Nixon die Konvertibilität des Dollars in Gold für ausländische offizielle Halter aus. Was genau damals beendet wurde und weshalb das System fester Wechselkurse erst später vollständig zerbrach, erklärt der Beitrag zum Nixon-Schock 1971 und zum Ende der Dollar-Goldbindung. Die historischen Grundlagen der unterschiedlichen Gold- und Währungssysteme behandelt außerdem der Überblick Gold als Zahlungsmittel und der Goldstandard.

Häufige Fragen zum London Gold Pool

Was war der London Gold Pool?

Der London Gold Pool war eine informelle Kooperation von acht Währungsbehörden. Von 1961 bis 1968 kaufte und verkaufte die Bank of England für sie Gold, um den Londoner Marktpreis nahe der Dollar-Gold-Parität zu halten.

Welche Länder waren Mitglieder?

Mitglieder waren die USA, Großbritannien, Westdeutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und die Schweiz. Die USA trugen 50 Prozent der Anfangsquote.

Welche Rolle spielte Deutschland?

Die Bundesbank hielt mit 11 Prozent die größte europäische Anfangsquote. Westdeutschland war damit nach den USA zweitgrößter Teilnehmer.

Hielt der Pool den Londoner Goldpreis exakt bei 35 Dollar?

Nein. 35 Dollar waren der offizielle US-Preis. Provisionen, Transport und Versicherung verschoben die maßgebliche Londoner Obergrenze auf ungefähr 35,20 Dollar.

Verkaufte der Pool ausschließlich Gold?

Nein. Bei hohem Angebot kaufte die Bank of England für die Gruppe Gold und verteilte es nach vereinbarten Regeln. In den frühen Jahren war der Pool zeitweise Nettokäufer.

Ist Frankreich 1967 aus dem London Gold Pool ausgetreten?

Frankreich stellte im Juni 1967 weitere Beiträge ein, behielt aber seine bestehende Beteiligung und erklärte keinen formalen öffentlichen Austritt. In der Endphase waren sieben Mitglieder aktiv.

Warum brach der London Gold Pool zusammen?

Nachfrage und Verluste wurden zu groß. US-Zahlungsbilanzprobleme, Inflation, sinkende Goldreserven, ein knappes Neuangebot und besonders die Pfundabwertung vom November 1967 lösten die Flucht in Gold aus. Im März 1968 stellten die Mitglieder ihre Marktversorgung ein.

War der London Gold Pool eine staatliche Goldpreismanipulation?

Er war eine dokumentierte staatliche Marktintervention zur gezielten Preisbeeinflussung. Im weiten wirtschaftlichen Sinn kann das Manipulation heißen, ist aber von betrügerischen Praktiken wie Spoofing zu unterscheiden.

Was geschah nach dem Ende des Pools?

Es entstand ein zweistufiger Goldmarkt: Offizielle Transaktionen blieben bei 35 Dollar, der private Preis wurde freigegeben. London eröffnete am 1. April 1968 mit einem ersten Fixing von 38 Dollar.

Welcher Zusammenhang besteht mit dem Nixon-Schock?

1968 endete die gemeinsame Verteidigung des privaten Marktpreises; 1971 beendete Nixon die Umtauschbarkeit offizieller Dollarbestände in US-Gold. Es waren getrennte, aufeinanderfolgende Brüche des Bretton-Woods-Systems.

Fazit

Der London Gold Pool war weder Mythos noch allmächtige Dauersteuerung. Acht Notenbanken bündelten Interventionen, um den Londoner Marktpreis nahe der offiziellen Dollar-Gold-Parität zu halten. Die Kooperation kaufte zeitweise viel Gold und scheiterte schließlich an Vertrauensverlust und untragbaren Verkäufen.

Gerade deshalb ist das Beispiel bis heute aufschlussreich. Es zeigt, wie weit staatliche Eingriffe in einen Markt reichen können – und wo ihre Grenzen liegen, wenn die wirtschaftlichen Grundlagen nicht mehr zum verteidigten Preis passen.

Über den Autor

Dirk Wasserthal ist Mitgründer und Geschäftsführer von Wasserthal RareCoin.Store. Er beschäftigt sich mit der Geschichte von Goldmünzen, der Rolle von Gold in unterschiedlichen Währungssystemen sowie der nachvollziehbaren Einordnung von Metallwert, Seltenheit, Erhaltung und Sammlerwert.

Transparenzhinweis

Wasserthal RareCoin.Store handelt mit seltenen zertifizierten Goldmünzen und besitzt daher ein wirtschaftliches Interesse am Gold- und Sammlermünzenmarkt. Dieser Beitrag dient ausschließlich der historischen und allgemeinen wirtschaftlichen Information. Er stellt keine individuelle Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Historische Marktinterventionen erlauben keine sichere Aussage über künftige Goldpreise oder die Wirkung heutiger geldpolitischer Maßnahmen.

Für diesen Beitrag wurden vorrangig zeitgenössische Veröffentlichungen von Zentralbanken, amtliche Regierungsakten und Unterlagen internationaler Institutionen verwendet. Spätere Forschung wird dort herangezogen, wo sie nicht unmittelbar öffentlich zugängliche Zentralbankarchive auswertet oder verbreitete Darstellungen anhand neuer Daten überprüft.

Quellen

  1. Bank of England: The London Gold Market, Quarterly Bulletin, März 1964.
  2. Board of Governors of the Federal Reserve System: Treasury and Federal Reserve Foreign Exchange Operations and the Gold Pool, Federal Reserve Bulletin, März 1964.
  3. Bank für Internationalen Zahlungsausgleich: 38. Jahresbericht, Basel 1968, insbesondere die Abschnitte zur Goldkrise 1967/68.
  4. Bank of England: Commentary, Quarterly Bulletin, Juni 1968.
  5. U.S. Department of State, Office of the Historian: FRUS 1964–1968, Volume VIII, Dokument 187, Memorandum zum Goldproblem, 9. März 1968.
  6. U.S. Department of State, Office of the Historian: FRUS 1964–1968, Volume VIII, Dokument 188, Memorandum vom 12. März 1968.
  7. U.S. Department of State, Office of the Historian: FRUS 1964–1968, Volume VIII, Dokument 189, Entscheidung über die Schließung des Londoner Goldmarktes, 14. März 1968.
  8. U.S. Department of State, Office of the Historian: FRUS 1964–1968, Volume VIII, Dokument 191, Washingtoner Konferenz und Kommuniqué vom 17. März 1968.
  9. Federal Open Market Committee: Memorandum of Discussion, 14. März 1968 und Memorandum of Discussion, 2. April 1968.
  10. Michael D. Bordo, Eric Monnet und Alain Naef: The Gold Pool (1961–1968) and the Fall of the Bretton Woods System: Lessons for Central Bank Cooperation, Journal of Economic History, 2019.
  11. Alain Naef: The Gold Pool sowie The 1967 Devaluation and the Fall of the Gold Pool, in: An Exchange Rate History of the United Kingdom, 1945–1992, Cambridge University Press 2022.
  12. International Monetary Fund: Gold, Annual Report of the Executive Directors for the Fiscal Year Ended April 30, 1968, Kapitel 7.
  13. London Bullion Market Association: March 1968 and the London Gold Fixing, historische Übersicht zur Schließung und Wiedereröffnung des Marktes.

Quellen zuletzt geprüft im August 2026.

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