Die Geschichte der Hunt Brothers wird oft so verkürzt: Zwei texanische Ölerben hätten „ein Drittel des Silbers der Welt“ gekauft, dann hätten die Börsen die Regeln geändert und den Preis zum Einsturz gebracht. Daran ist manches richtig – doch fast jede Zahl braucht einen erklärenden Nenner.
Die Hunts kauften zunächst physisches Silber; bis 1979 war daraus eine kreditfinanzierte Position aus Barren, Futures und Lieferansprüchen geworden. Der fallende Preis erzeugte tägliche Zahlungsverpflichtungen, die am Ende auch Broker und Banken bedrohten.
KURZANTWORT
Was geschah am Silver Thursday? Nelson Bunker Hunt, William Herbert Hunt und verbundene Investoren hatten bis Ende 1979 eine sehr große Position aus physischem Silber, Futures und außerbörslichen Lieferansprüchen aufgebaut. Nach Positionsgrenzen, „liquidation only“, höheren Margins und fallenden Preisen konnten zentrale Hunt-Konten ihre Nachschüsse nicht mehr bar leisten. Am 27. März 1980 fiel Silber bis auf etwa 10,80 US-Dollar je Feinunze; die Verluste griffen auf finanzierende Broker und Banken über.
DIE WICHTIGSTEN AUSSAGEN
- Die oft genannten Mengen vermischen Eigentum, Terminkontrakte und künftige Lieferungen.
- Der berühmte Preis von 50,35 Dollar war ein Intraday-Hoch von US-Silberfutures – kein einheitlicher Schluss- oder Fixingpreis.
- COMEX und CBOT trafen getrennte Entscheidungen; „liquidation only“ untersagte neue spekulative Positionen, nicht jeden Kauf.
- Marktmanipulation wurde später in einem Zivilprozess festgestellt. Eine strafrechtliche Verurteilung war das nicht.
Wer waren die Hunt Brothers – und wer war beteiligt?
Nelson Bunker Hunt und William Herbert Hunt waren Söhne des texanischen Ölunternehmers H. L. Hunt. Sie begannen Anfang der 1970er-Jahre mit größeren Silberkäufen. Der SEC-Stabsbericht zur Krise schätzt Bunkers Käufe Ende 1973 auf rund 20 Millionen Feinunzen; Anfang 1974 kontrollierten Bunker und Herbert zusammen etwa 50 Millionen Unzen.
Der Name „Hunt Brothers“ verdeckt ein größeres Netzwerk. Bruder Lamar handelte in geringerem Umfang. Im Juli 1979 entstand die auf Bermuda registrierte International Metals Investment Company, kurz IMIC; ihre Stimmrechte lagen je zur Hälfte bei Hunt-Interessen und den saudischen Investoren Ali Bin Mussalam und Mohammed Aboud Al-Amoudi. Insgesamt identifizierte die SEC 21 Familienmitglieder und verbundene Einheiten mit Silberpositionen, darunter Hunt Minerals, Hunt Holdings und Planet Investment – nicht alle mit gleicher Rolle.
Warum ausgerechnet Silber?
Dokumentiert ist zunächst eine nüchterne Investmentthese: Bunker und Herbert Hunt hielten Silber bei Preisen um zwei Dollar für unterbewertet. Später wurden ihnen außerdem Inflationsschutz, Misstrauen gegenüber dem Dollar und die Sorge vor einer möglichen Beschlagnahme von Edelmetallen zugeschrieben. Diese Motive sind plausibel, aber nicht in jedem Detail gleich gut belegt.
Nach dem Nixon-Schock von 1971, zwei Ölpreisschüben und politischen Krisen suchten viele Anleger Edelmetalle. Die US-Inflation lag laut Bureau of Labor Statistics 1979 bei 11,3 Prozent und 1980 bei 13,5 Prozent. Das erklärt das breite Interesse am Metall, reicht für die Größe der Hunt-Position und den später festgestellten Manipulationszusammenhang aber nicht aus. Wie uneinheitlich Gold auf Inflation reagiert, behandelt unser Beitrag über Gold und Inflation.
Metall, Futures und Kredit: die Mechanik der Wette
In der späteren Gesamtsumme standen vier verschiedene Arten von Besitz und Verpflichtung nebeneinander:
- Physisches Silber waren tatsächlich gekaufte Barren oder Lagerbelege. Auch diese Bestände konnten beliehen und damit Teil einer Kreditkette werden.
- Ein Silberfuture bezog sich damals in der Regel auf 5.000 Feinunzen. Er war ein standardisierter Vertrag für eine spätere Lieferung, nicht automatisch vorhandenes Eigentum an 5.000 Unzen. Die meisten Futures werden vor Fälligkeit durch ein Gegengeschäft geschlossen.
- Forwards in London oder Zürich waren außerbörsliche Lieferverträge. Sie erzeugten ebenfalls Zahlungs- und Abnahmepflichten, erschienen aber nicht vollständig in den US-Börsendaten.
- Lieferung und „exchange for physicals“ wandelten Terminpositionen in konkrete Barren- und Zahlungsverpflichtungen um. Gerade weil die Hunts häufig Lieferung verlangten, wurde das kurzfristig verfügbare, börsenfähige Metall wichtig.
Futures arbeiten mit Sicherheitsleistungen. Ende Dezember 1979 konnten 30.000 Dollar Margin einen Kontrakt kontrollieren, dessen Silber mehr als 170.000 Dollar wert war. Preisgewinne flossen als tägliche Variation Margin auf das Konto; Verluste mussten ebenso täglich ausgeglichen werden. Bei rund 96,8 Millionen Unzen Futures-Exposure am 1. Januar 1980 veränderte eine Preisbewegung von einem Dollar den Zahlungsstrom um ungefähr 96,8 Millionen Dollar.
Wie groß war die Position wirklich?
Nach dem SEC-Bericht stieg die von Bunker Hunt, Herbert Hunt und IMIC kontrollierte Position vom 31. Juli 1979 bis zum 1. Januar 1980 von rund 123 auf 195 Millionen Feinunzen. Von der Nettozunahme entfielen ungefähr 46 Millionen Unzen auf physisches Metall; der Rest bestand aus zusätzlichen Futures und Forwards. Zum Jahreswechsel repräsentierten 19.350 Futures etwa 96,8 Millionen Unzen. Weitere unmittelbare Familienmitglieder hielten über registrierte Broker rund 8,9 Millionen Unzen.
195 Millionen Unzen bedeuteten deshalb nicht 195 Millionen frei verfügbare Barren im Eigentum zweier Brüder. Die Größenordnung war dennoch enorm. Der SEC-Bericht setzte die kombinierte Position in drei Beziehungen:
- rund 15 Prozent der damals geschätzten weltweiten Silberbestände,
- bei den Futures allein rund 76 Prozent der zertifizierten Silberlager von COMEX und CBOT,
- insgesamt etwa 121 Prozent des US-Industrieverbrauchs von 1979.
Eine CFTC-Auswertung wählte eine andere Gruppe und einen engeren Nenner: Am 27. Dezember 1979 besaßen die getrennten Hunt- und Conti-Gruppen zusammen mehr als 50 Prozent des lieferbaren Silbers in COMEX-Lagern; ihre Long-Positionen im März-1980-Future entsprachen 122 Prozent der Silberbestände in lizenzierten Depots. Diese 122 Prozent vergleichen einen einzelnen Kontraktmonat mit Depotbeständen. Die 121 Prozent oben vergleichen dagegen die gesamte Hunt/IMIC-Position mit dem US-Industrieverbrauch 1979. Die fast identischen Zahlen beruhen also auf verschiedenen Zählern und Nennern.
Die Legende vom „Drittel des Weltsilbers“ beruht auf einem engeren Bestand an privat gehaltenem oder kurzfristig lieferbarem Metall. Gemessen an allen geschätzten Weltbeständen waren es rund 15 Prozent.
Welcher Silberpreis lag wirklich bei 50 Dollar?
Für Januar 1980 kursieren mehrere Rekordwerte. Die von der CFTC verwendete Schlusskursreihe erreichte am 17. Januar 48,70 Dollar je Feinunze. Die LBMA nennt für den Londoner Markt 49,45 Dollar. Reuters verzeichnet für den internationalen Spotmarkt am 18. Januar 49,48 Dollar und für US-Silberfutures ein Intraday-Hoch von 50,35 Dollar. Die drei Cent Abstand zwischen Londoner Rekord und Spot-Hoch stammen aus unterschiedlichen Markt- und Datenreihen.
Der häufig zitierte Wert von 50,35 Dollar war damit ein COMEX-Futurespreis innerhalb des Handelstages, kein allgemeiner Schlusskurs und kein inflationsbereinigter Wert. Die öffentlich zugängliche Reuters-Meldung nennt keinen Liefermonat; deshalb wird hier keiner ergänzt. Aus London Fixing, Spot, Settlement und Intraday-Hoch wird erst dann ein Widerspruch, wenn man sie als dieselbe Preisreihe behandelt.
COMEX und CBOT: getrennte Regeln, ähnliche Sorgen
Die CBOT setzte im Oktober 1979 eine Grenze von 600 Kontrakten oder drei Millionen Unzen je Händler fest; sie galt für einen Liefermonat wie für alle Monate zusammen. Überhänge sollten bis Februar abgebaut werden. COMEX folgte am 7. Januar 1980 mit 500 Kontrakten für den Spot- und nächsten Liefermonat sowie 2.000 Kontrakten oder zehn Millionen Unzen insgesamt. In ihrer Begründung warnte die Börse vor einer „high degree of concentration of long positions“ (einer hohen Konzentration von Long-Positionen), die den Markt zu stören drohe. Die CFTC genehmigte beide Börsenregelungen am 4. April formell.
Am 21. Januar ordnete COMEX für Silber „liquidation only“ an. Am folgenden Tag beschränkte CBOT die nahen Januar-, Februar- und März-Kontrakte ebenfalls auf liquidierende Geschäfte und verlangte schrittweise Reduzierungen. Neue spekulative Positionen waren damit gesperrt. Bestehende Positionen konnten geschlossen werden; dabei musste ein Short kaufen und ein Long verkaufen.
Hinzu kamen wiederholte Margin-Anpassungen. Eine einzige Zahl für deren Häufigkeit wäre irreführend, weil Börsen-, Clearing-, Kunden- und Sondermargins sowie verschiedene Kontrakte betroffen waren. Für den 4. Februar nennt der SEC-Bericht bei Positionen von Hunt-Größe an bestimmten Häusern einen Sprung von 30.000 auf 60.000 Dollar je Kontrakt; bei Bache stieg die Originalmargin von 40.000 auf 60.000 Dollar. Am 26. März senkte COMEX die Originalmargin in der akuten Brokerkrise wieder auf 40.000 Dollar, um gebundene Liquidität freizusetzen.
WAREN DIE REGELÄNDERUNGEN RECHTSWIDRIG?
Ein späteres Bundesgericht prüfte, ob „self-interest or other ulterior motive unrelated to proper regulatory concerns“ (Eigeninteresse oder ein anderes sachfremdes Motiv ohne Bezug zu legitimen Regulierungsbelangen) der alleinige oder beherrschende Grund für das Handeln von COMEX gewesen war. Dafür sah es keine ausreichenden Belege. Die CFTC kritisierte ihrerseits, dass die Börsen zu lange auf freiwillige Reduzierungen gesetzt hatten.
Vom Preisrückgang zum Silver Thursday
Nach dem 21. Januar kehrte sich der vorher positive Zahlungsstrom um. Statt fällige Futures durch Gegengeschäfte zu schließen, nahmen die Hunts weiter Lieferungen ab. Gleichzeitig hatten sie im Januar von der Engelhard-Tochter Phibro rund 28,5 Millionen Unzen zu ungefähr 36 Dollar vereinbart – ein Geschäft über etwa 1,04 Milliarden Dollar, darunter eine Zahlung von 434 Millionen Dollar zum 31. März.
Am 13. März teilte IMIC Merrill Lynch mit, eine Variation Margin von 44 Millionen Dollar nicht innerhalb der üblichen 24 Stunden leisten zu können; zusätzlich waren zwölf Millionen Dollar für Londoner Lieferverpflichtungen offen. Am 17. März erklärten die Hunts Bache, auch dort einen Margin Call über 44 Millionen Dollar nicht bar erfüllen zu können. Broker finanzierten Clearingzahlungen zeitweise weiter und nahmen Silber als Sicherheit. Am 26. März kündigten die Hunts an, weitere Margin-Zahlungen einzustellen.
Am Donnerstag, dem 27. März 1980, fiel Silber in der CFTC-Reihe bis auf 10,80 Dollar. Die SEC setzte den Handel mit Bache-Aktien aus; Banken, die Kredite gegen Silber-Lagerbelege vergeben hatten, sahen ihre Sicherheiten unter den Kreditwert fallen. Bei Bewertung zu Spotpreisen wiesen die Hunt-Konten bei Bache trotz Teilliquidationen einen unbesicherten Sollsaldo von rund 122 Millionen Dollar auf. Das entsprach 84 Prozent des damaligen Bache-Konzerneigenkapitals.
Rettungskredit: privat finanziert, mit realen Sicherheiten
Als „Bailout“ wird die Lösung oft bezeichnet. Das Geld kam jedoch von privaten Banken: Am 7. April erhielt die Hunt-Gesellschaft Placid Oil zunächst 300 Millionen Dollar als Zwischenfinanzierung, anschließend lieh ihr ein Konsortium aus 13 Banken 1,1 Milliarden Dollar. Als Sicherheiten dienten unter anderem Öl- und Gasvorkommen, Raffinerien und Pipelines; Bunker, Herbert und Lamar Hunt garantierten persönlich.
Placid nutzte das Geld zur Ablösung der Silberverbindlichkeiten. Der SEC-Bericht hält fest, dass diese Schulden bis Ende Mai bezahlt und die unmittelbare Krise vorüber war. Behörden und Zentralbankvertreter überwachten die Systemrisiken, doch der zentrale 1,1-Milliarden-Dollar-Kredit kam von privaten Banken und belastete Vermögenswerte der Hunt-Seite.
Was Gerichte und Behörden später feststellten
Die Untersuchungen hatten unterschiedliche Aufgaben. Der SEC-Stabsbericht von 1982 prüfte vor allem Risiken bei Wertpapierhäusern und erklärte ausdrücklich, nicht abschließend über Gesetzesverstöße zu entscheiden. Die CFTC übermittelte 1981 ihre Silberstudie an den Kongress und erhob 1985 den Vorwurf, Bunker Hunt, Herbert Hunt und weitere Beteiligte hätten die Preise für Silber und Silberfutures manipuliert oder dies versucht.
Die wichtigste gerichtliche Feststellung kam im Zivilverfahren der peruanischen staatlichen Mineralhandelsgesellschaft Minpeco. Eine Jury befand im August 1988 Nelson Bunker Hunt, William Herbert Hunt, Lamar Hunt, Mahmoud Fustok und IMIC für Verstöße gegen den Commodity Exchange Act, das US-Kartellrecht und wegen Betrugs nach New Yorker Common Law haftbar. Alle außer Lamar wurden zusätzlich nach RICO haftbar gemacht. Am 1. September 1988 wurde das Urteil über 132,45 Millionen Dollar eingetragen. Nach Darstellung des Insolvenzgerichts berücksichtigte dieser Betrag bereits die Verdreifachung nach Kartellrecht und RICO sowie den Abzug von Vergleichen mit anderen Beklagten. 1989 wies das Bundesgericht die Anträge auf Aufhebung des Juryurteils oder einen neuen Prozess zurück.
Jeffrey C. Williams, selbst Sachverständiger im Verfahren, hat den Prozess später ökonomisch ausgewertet. Sein Buch dokumentiert, wie weit die Modelle der Gutachter zu Kausalität, Wettbewerbspreis und Schadenshöhe auseinanderlagen. Das erklärt, warum das Juryurteil die Haftung verbindlich klärte, während die Fachdebatte über einzelne Modellannahmen fortbestand.
Ein Strafverfahren gehörte zu diesem Ablauf nicht. Bunker und Herbert Hunt beantragten im September 1988 Gläubigerschutz nach Chapter 11; 1989 folgten Vergleiche in den zivilen CFTC-Verfahren mit hohen Geldbußen und Handelsverboten. Die häufige Formulierung, die Brüder seien strafrechtlich „verurteilt“ worden, bezeichnet deshalb die falsche Verfahrensart.
Chronologie der Silberkrise
1973–1974: Bunker und Herbert Hunt bauen eine frühe Position von ungefähr 50 Millionen Unzen auf.
Juli 1979: IMIC entsteht; die Hunt-bezogene Silberposition wächst stark.
7. Januar 1980: COMEX führt eine Gesamtgrenze von 2.000 Kontrakten ein.
17./18. Januar: Schluss-, Spot- und Futuresreihen markieren je nach Messpunkt Werte zwischen 48,70 und 50,35 Dollar.
21./22. Januar: COMEX und anschließend CBOT beschränken neue spekulative Positionen.
13.–26. März: Margin Calls und Lieferzahlungen können nicht mehr regulär bedient werden.
27. März: Silver Thursday; Silber fällt bis 10,80 Dollar, Bache und weitere Institute geraten unter Druck.
April–Mai: Zwischenkredit und 1,1-Milliarden-Dollar-Finanzierung über Placid lösen die unmittelbaren Verbindlichkeiten ab.
1985–1989: CFTC-Verfahren, Minpeco-Juryurteil, Insolvenzen und Vergleiche folgen.
Was der Fall beweist – und was nicht
Belegt
- Eine konzentrierte Gruppe verband physisches Silber, Futures, Lieferungen und Kredit.
- Der Preisaufstieg verengte lieferbare Bestände und belastete industrielle Hedger.
- Eine Ziviljury stellte Manipulation und daraus entstandene Schäden fest.
- Der Absturz gefährdete auch Broker und Banken.
Nicht bewiesen
- Dass jede Terminposition „ungedecktes Papiersilber“ oder betrügerisch ist.
- Dass COMEX und CBOT illegal gegen die Hunts verschworen waren.
- Dass allein die Hunts jeden Preisanstieg verursachten; Behörden nannten auch Konjunktur, Inflation sowie physisches Angebot und Nachfrage.
- Dass der Fall eine heutige Manipulation von Silber oder Gold belegt.
Häufige Fragen zu den Hunt Brothers
Besaßen die Hunt Brothers ein Drittel des Silbers der Welt?
Nein, nicht nach der breiten Bestandsdefinition des SEC-Berichts. Die Kernposition von rund 195 Millionen Unzen entsprach etwa 15 Prozent der geschätzten Weltbestände. Höhere Anteile ergeben sich nur mit engeren Bezugsgrößen; zudem bestand ein großer Teil aus Futures und Forwards.
Hat „liquidation only“ den Silberpreis zum Absturz gebracht?
Die Regel verhinderte neue spekulative Käufe und erhöhte den Druck zum Abbau. Sie war ein wichtiger Wendepunkt. Zum Absturz gehörten aber auch Kreditfinanzierung, fällige Lieferzahlungen und neue Margin Calls bei fallenden Preisen.
Warum wurden die Hunts nicht sofort zahlungsunfähig, obwohl sie reich waren?
Ein großer Teil des Vermögens steckte in Öl-, Gas- und Unternehmenswerten, während die Clearinghäuser kurzfristig Bargeld oder verwertbare Sicherheiten verlangten. Der Refinanzierungskredit wurde erst nach der Verpfändung dieser Werte möglich.
Wurden die Hunt Brothers wegen Marktmanipulation strafrechtlich verurteilt?
Nein. Minpeco war ein Zivilprozess; die CFTC-Verfahren waren zivil oder administrativ. Es gab Schadensersatz, Geldbußen, Handelsverbote und Insolvenzen, aber kein Strafurteil.
Kann sich ein Silver Thursday wiederholen?
Eine große, kreditfinanzierte Position kann auch heute über Margin Calls Rückkopplungen erzeugen. Meldepflichten, Positionsregeln, Clearing und Marktstruktur haben sich seit 1980 verändert; ein heutiges Kursziel lässt sich aus dem Fall nicht ableiten.
Fazit
Bis Anfang 1980 hatten die Hunts eine große Position aus physischem Silber, Futures und Forwards aufgebaut. Ein erheblicher Teil war kreditfinanziert. Mit dem Preisrückgang kehrte sich der tägliche Zahlungsstrom um, und im März konnten zentrale Konten Margin Calls und Lieferzahlungen nicht mehr bedienen. Am 27. März 1980 gerieten auch Broker und finanzierende Banken unter Druck.
Für aktuelle Vorwürfe gelten aktuelle Daten und konkrete Belege. Eine systematische Einordnung dokumentierter Fälle und offener Behauptungen bietet unser Beitrag über Manipulation am Gold- und Silbermarkt.
Über den Autor
Dirk Wasserthal schreibt für Wasserthal RareCoin.Store über Edelmetalle, zertifizierte seltene Goldmünzen und die Geschichte ihrer Märkte. Im Mittelpunkt stehen nachvollziehbare Quellen, eine klare Trennung von Fakten und Behauptungen sowie die verständliche Einordnung komplexer Marktmechanismen.
Transparenzhinweis
Wasserthal RareCoin.Store handelt mit seltenen zertifizierten Goldmünzen und besitzt daher ein wirtschaftliches Interesse am Gold- und Sammlermünzenmarkt. Der vorliegende Beitrag dient der historischen und sachlichen Information. Er stellt keine individuelle Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar.
Quellen und weiterführende Dokumente
- SEC Historical Society: U.S. Securities and Exchange Commission, The Silver Crisis of 1980, Staff Report, Oktober 1982 (Katalogeintrag mit der Zuschreibung „Courtesy of Kathryn McGrath“; direkter Download von Teil 1 und Teil 2).
- U.S. Securities and Exchange Commission: Annual Report 1983 (offizieller Nachweis des Untersuchungsberichts).
- Commodity Futures Trading Commission: Position Limits for Derivatives, Federal Register, 12. Dezember 2013 (historische Rekonstruktion der Hunt-Positionen und Börsenmaßnahmen).
- CFTC: Testimony of General Counsel Dan Berkovitz on Metals Markets, 25. März 2010 (Hunt- und Conti-Kennzahlen, zeitgenössische COMEX-Begründung sowie Genehmigung der Positionslimits am 4. April 1980).
- CFTC: History of the CFTC – 1980s (Entscheidung vom 28. März 1980, den Handel nicht auszusetzen, Kongressbericht 1981 und Manipulationsvorwürfe 1985).
- Minpeco, S.A. v. Hunt, 693 F. Supp. 58 (S.D.N.Y. 1988) (COMEX-Maßnahmen und Zurückweisung des Bad-Faith-Vorwurfs gegen die Börse).
- Minpeco, S.A. v. Hunt, 718 F. Supp. 168 (S.D.N.Y. 1989) (Juryfeststellungen, Schadensersatz und Zurückweisung der Anträge nach dem Urteil).
- Hunt v. Commodity Futures Trading Commission (In re Hunt), 93 B.R. 484 (Bankr. N.D. Tex. 1988), Entscheidung vom 8. Dezember 1988 (Urteilsbetrag von 132,45 Millionen Dollar, Verdreifachung und Abzug früherer Vergleiche).
- Jeffrey C. Williams: Manipulation on Trial: Economic Analysis and the Hunt Silver Case, Cambridge University Press, 1995 (ökonomische Analyse des Prozessmaterials und der Sachverständigenargumente).
- Reuters: Silver hits record near $50 for first time since 1980, 28. April 2011 (Abgrenzung von Spot-Hoch und Futures-Intraday-Hoch 1980).
- London Bullion Market Association: Silver Trading Volume Exceeds 1 Billion oz (Londoner Rekordpreis von 49,45 Dollar im Januar 1980).
- U.S. Bureau of Labor Statistics: Inflation, employment, and the labor force since 1980 (Jahresinflation 1979 bis 1981).
- Los Angeles Times: 2 Hunt Brothers Seek Bankruptcy Court Protection, 22. September 1988 (Chapter-11-Anträge nach dem Minpeco-Urteil).
- Los Angeles Times: $10-Million Fine Levied on Nelson Bunker Hunt, 21. Dezember 1989 (CFTC-Vergleich und Handelsverbot).
- Reuters: Silver case hard to prove, despite Hunt Bros, 1. November 2010 (Minpeco-Schadensersatz und CFTC-Sanktionen).
Letzte Quellenprüfung: 29. August 2026.
