Als Taya Pobjoy im Oktober 2023 ihren Rückzug ankündigte, ging wenige Wochen später eine ungewöhnliche Geschichte der modernen Numismatik zu Ende. Seit 1965 hatte die britische Pobjoy Mint Münzen und Medaillen für Länder und Territorien auf der ganzen Welt geprägt. Zum Jahresende 2023 wurde der Münzprägebetrieb nach 58 Jahren eingestellt.
Für Sammler ist das mehr als eine Randnotiz aus der Geschichte einer privaten Münzstätte. Pobjoy hat viele Münzen geprägt, die uns heute noch ganz selbstverständlich begegnen – darunter Goldmünzen der Isle of Man sowie Ausgaben für die Britischen Jungferninseln, Sierra Leone, die Falklandinseln oder Gibraltar. Erst seit keine neuen Pobjoy-Prägungen mehr hinzukommen, lässt sich die Entwicklung dieser Mint tatsächlich als abgeschlossenes Kapitel betrachten.
Kurzantwort: Was ist mit der Pobjoy Mint passiert?
Die Pobjoy Mint wurde 1965 von Derek Pobjoy gegründet und stellte zum Jahresende 2023 ihren Münzprägebetrieb ein. Anlass war der Rückzug von Taya Pobjoy, die das Unternehmen seit 1998 geführt hatte. Einen Verkauf der Marke hatte sie erwogen, entschied sich letztlich aber dagegen, weil sie den über Jahrzehnte aufgebauten Namen nicht unter einem neuen Eigentümer gefährdet sehen wollte.
Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Der Münzprägebetrieb wurde beendet. Die Gesellschaft Pobjoy Mint Limited besteht rechtlich weiterhin.
Von einer gebrauchten Presse zur eigenen Münzstätte
Derek Pobjoy kam aus einem Familienbetrieb, der sich bereits mit Schmuck, Metallverarbeitung und Edelmetallen beschäftigte. 1965 gründete er die Pobjoy Mint und begann mit einer einzigen gebraucht gekauften Münzpresse, die über ein Darlehen finanziert worden war. Das erste Erzeugnis war eine Gedenkmedaille für Winston Churchill, die sich zunächst nur langsam verkaufte. Erst Pressearbeit und Anzeigen sorgten für deutlich mehr Aufmerksamkeit und Verkäufe.
Der entscheidende Schritt folgte mit der Isle of Man. Pobjoy erhielt dort erstmals die Genehmigung, eine Münze mit gesetzlichem Zahlungsmittelstatus zu gestalten und zu prägen. Die eigene Unternehmensgeschichte nennt eine 25-Pence-Ausgabe als ersten solchen Auftrag; 1970 folgten die ersten von Pobjoy produzierten Umlaufmünzen für die Insel.
Damit entstand das Geschäftsmodell, das die Mint über Jahrzehnte prägen sollte: Pobjoy produzierte nicht nur Medaillen, sondern Münzen im Auftrag von Regierungen und Territorien, die keine eigene Münzstätte unterhielten oder Teile ihrer Münzprogramme extern fertigen ließen.
Die Isle of Man wird zum wichtigsten Partner
Keine Verbindung bestimmte die Geschichte von Pobjoy stärker als die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit der Isle of Man. Die Mint produzierte sowohl Umlauf- als auch Sammlermünzen für die Insel. Für viele Sammler ist Pobjoy bis heute insbesondere mit Serien wie dem Angel, dem Noble oder den bekannten Katzenmotiven verbunden.
Die Zusammenarbeit war gleichzeitig ein frühes Beispiel für ein Geschäftsmodell, das bei modernen Sammlermünzen heute völlig normal erscheint. Ein kleines Land oder Territorium benötigt keine eigene staatliche Münzstätte, um ein eigenständiges, international vermarktetes Münzprogramm aufzubauen. Gestaltung, technische Umsetzung und Produktion können von einem spezialisierten privaten Anbieter übernommen werden.
Mehr als vier Jahrzehnte arbeitete Pobjoy für die Isle of Man. 2016 wurde das Ende der Partnerschaft angekündigt, 2017 lief Pobjoys Rolle als offizieller Präger aus.
Für Sammler ist diese zeitliche Grenze wichtig, aber sie löst die Zuordnung späterer Ausgaben nicht automatisch. Bei modernen Isle-of-Man-Münzen sollte deshalb die konkrete Ausgabe geprüft werden. Aus dem Ausgabeland allein lässt sich die Prägestätte ohnehin nicht ableiten, und nach dem Ende der langfristigen Pobjoy-Partnerschaft gilt das umso mehr.
Eine ältere Münze aus unserem eigenen Angebot zeigt dagegen sehr deutlich, wie sichtbar Pobjoy früher teilweise auf den Stücken und ihrer Ausstattung war. Die Isle of Man Penny Black von 1990 aus einer Unze Gold trägt das PM-Münzzeichen der Mint. Bei unserem Exemplar ist außerdem die Originalausstattung erhalten; im Etui findet sich noch der Schriftzug „Pobjoy Mint – England U.K.“.
Solche Details sind für die Zuordnung erheblich aussagekräftiger als eine Vermutung allein anhand von Land oder Jahrgang.
Eine private Mint prägt für die Welt
Mit der Isle of Man begann eine internationale Entwicklung, die Pobjoy weit über Großbritannien hinaus bekannt machte. Während ihrer 58-jährigen Geschichte arbeitete die Mint für mehr als 40 Länder und Territorien. Dazu gehörten unter anderem Gibraltar, die Falklandinseln, die Britischen Jungferninseln, Burundi, Äthiopien, Gambia, Liberia, Peru, Senegal, die Seychellen, Sierra Leone, St. Helena, Tonga und Usbekistan.
Dadurch findet man Pobjoy auf Münzen, die hinsichtlich Land, Währung und Motiv kaum etwas miteinander gemeinsam haben.
Ein frühes Beispiel aus unserem Sortiment ist das Eurafrique-Goldset des Senegal von 1975. Jahrzehnte später begegnet Pobjoy bei Goldausgaben der Britischen Jungferninseln oder Sierra Leones wieder. Noch weiter ging die Verbindung zu Usbekistan: Pobjoy gibt selbst an, beim Aufbau einer Produktionsmünzstätte für das Land mitgewirkt zu haben.
Aus der einen gebrauchten Presse von 1965 war damit ein mittelständisches Unternehmen geworden, das nicht nur Münzen für andere Staaten produzierte, sondern seine Erfahrungen mit dem Betrieb einer Münzstätte selbst weitergab.
Pobjoy experimentierte ungewöhnlich viel
Die große Zahl internationaler Auftraggeber erzählt allerdings nur einen Teil der Geschichte. Pobjoy fiel auch dadurch auf, dass die Mint immer wieder mit Materialien, Formen und technischen Verfahren experimentierte.
1978 entwickelte Derek Pobjoy die silberfarbene Legierung Virenium. 1979 produzierte die Mint für die Isle of Man eine umlaufende Ein-Pfund-Münze aus unedlem Metall – mehrere Jahre bevor Großbritannien seine eigene runde £1-Münze einführte.
1981 folgte eine Braille-Münze der Isle of Man im Zusammenhang mit dem Internationalen Jahr der Behinderten. 1990 führt Pobjoy eine Penny-Black-Ausgabe in seiner eigenen Chronik als erste schwarze Münze. 1996 entstand ein Noble aus Platin mit einem Hologramm des Wikinger-Langschiffs.
1999 folgte nach Angaben der Pobjoy Mint die weltweit erste Titanmünze: „Millennium Time“, geprägt für Gibraltar. In den folgenden Jahren arbeitete Pobjoy intensiv mit diesem für die Münzprägung ungewöhnlichen Material. Die Mint gibt außerdem an, über Jahre die einzige bekannte Prägestätte gewesen zu sein, die farbiges Titan erfolgreich für Münzen verarbeiten konnte.
Weitere Experimente reichten von Edelsteinen und ungewöhnlichen Metallkombinationen bis zu ausgefallenen Formen und einer pyramidenförmigen Silbermünze mit eingeschlossenem ägyptischem Sand.
Vieles davon wirkt heute weniger exotisch als damals. Farbapplikationen, besondere Materialien, Einlagen, mehrteilige Konstruktionen oder ungewöhnliche Formen gehören inzwischen bei zahlreichen modernen Sammlermünzen zum normalen Angebot. Pobjoy hat mit einigen dieser Dinge vergleichsweise früh experimentiert.
Nicht jede Pobjoy-Ausgabe ist numismatisch gleich interessant
Die enorme Bandbreite hatte allerdings auch eine andere Seite. Pobjoy produzierte neben technisch ungewöhnlichen Goldmünzen, Angels und Nobles ebenso zahlreiche thematische und lizenzierte Sammlerausgaben. In den letzten Jahren gehörten beispielsweise Programme zu Harry Potter, Pokémon, Angry Birds oder Peter Rabbit dazu.
Eine kuriose Verbindung zu Harry Potter gab es sogar schon früher: Die Gringotts-Bank-Szene aus „Harry Potter und der Stein der Weisen“ wurde im Tresorraum der Pobjoy Mint gedreht. Später produzierte die Mint selbst Harry-Potter-Münzen unter Lizenz von Warner Brothers.
Aus Händlersicht ist das Pobjoy-Programm deshalb keineswegs einheitlich interessant. Zwischen einer ungewöhnlichen Goldprägung mit niedriger Auflage, einer technisch anspruchsvollen Ausgabe und der nächsten thematischen Lizenzmünze liegen erhebliche Unterschiede. Der Name Pobjoy allein sagt wenig darüber aus, wie interessant eine Münze für einen spezialisierten Sammler tatsächlich ist.
Das gilt allerdings für viele moderne Münzstätten. Entscheidend bleibt die einzelne Ausgabe: Was wurde geprägt, in welcher Auflage, mit welcher Technik, in welcher Erhaltung – und wie häufig begegnet das Stück tatsächlich am Markt?
Gerade bei Pobjoy lohnt sich dieser zweite Blick, weil unter einer einzigen Mint sowohl sehr kommerzielle Programme als auch ausgesprochen ungewöhnliche numismatische Stücke entstanden sind.
Pobjoy-Goldmünzen, die uns heute noch begegnen
Die Bandbreite lässt sich an einigen Münzen aus unserem eigenen Angebot gut nachvollziehen.
Ein technisch ungewöhnliches Stück ist der Isle of Man Noble von 2009. Die bimetallische Proof-Ausgabe verbindet einen Kern aus einer Unze Gold mit einem umlaufenden Silberring. Auf der Motivseite befindet sich das bekannte Wikinger-Langschiff der Noble-Serie sowie das PM-Zeichen der Pobjoy Mint. Unser Exemplar wurde von NGC mit PF70 Ultra Cameo bewertet.
Der Isle of Man Angel von 2015 aus einer Unze Gold gehört wiederum in eine andere Richtung. Die Proof-Ausgabe arbeitet mit einem Incuse Design, bei dem wesentliche Teile des Motivs vertieft in der Münzoberfläche liegen. Die Auflage betrug nur 500 Exemplare; unser Stück wurde von NGC mit PF70 bewertet.
Auch außerhalb der Isle of Man finden sich entsprechende Beispiele. Eine 250-Dollars-Goldmünze der Britischen Jungferninseln von 2016 mit dem Motiv „Guardian Angel – Watch Over Our Troops“ wurde ebenfalls von Pobjoy geprägt. Aus Sierra Leone haben wir unter anderem eine 250-Dollar-Puma-Goldmünze von 2001 aus der Serie „Großkatzen der Welt“ geführt.
Auf den ersten Blick verbindet diese Stücke wenig: verschiedene Länder, verschiedene Jahrzehnte, verschiedene Themen und teilweise völlig unterschiedliche technische Konzepte. Erst die Beschäftigung mit der Prägestätte macht sichtbar, dass sie aus demselben Unternehmen in Surrey kamen.
Warum endete die Pobjoy Mint 2023?
Bei einer ehemaligen Münzstätte liegt die Vermutung nahe, dass wirtschaftliche Schwierigkeiten, Insolvenz oder der Verlust eines Großauftrags zur Schließung geführt haben könnten. Bei Pobjoy war die Situation anders.
Taya Pobjoy hatte die Leitung 1998 übernommen. Im Oktober 2023 kündigte sie ihren Rückzug an und erklärte Anfang 2024 in einem ausführlichen Interview, dass sie durchaus über einen Verkauf des Unternehmens beziehungsweise der Marke nachgedacht hatte. Schließlich entschied sie sich dagegen.
Sie hatte nach eigener Aussage bei anderen Unternehmen erlebt, wie ein etablierter Name nach einem Eigentümerwechsel beschädigt werden kann. Für Pobjoy wollte sie dieses Risiko nicht eingehen. Statt die Kontrolle über den Familiennamen abzugeben, sollte die Geschichte der Mint als abgeschlossenes Unternehmen erhalten bleiben.
Auch der Zeitpunkt war bewusst gewählt. Laufende Sammlungen sollten soweit möglich noch abgeschlossen werden. Taya Pobjoy sprach außerdem darüber, wie sehr die Corona-Pandemie und später der Tod von Königin Elizabeth II. ihre Überlegungen zur eigenen Zukunft beeinflusst hatten.
Zum Jahresende 2023 endete schließlich die Münzproduktion.
Was geschah mit den Maschinen?
Für die Geschichte ehemaliger Münzstätten ist die Frage nach der Technik oft mindestens so interessant wie das eigentliche Schließungsdatum. Manche Pressen werden von anderen Mints übernommen, andere landen in Museen, und gelegentlich prägt eine historische Maschine noch Jahrzehnte später weiter.
Bei Pobjoy verlief das Ende anders.
Im Februar 2024 wurden mehr als 200 Positionen aus dem Betriebsvermögen zur Versteigerung angeboten. Dazu gehörten Münzpressen, Werkzeugmaschinen sowie Fertigungs-, Druck- und Verpackungstechnik. Unter den angebotenen Maschinen befand sich beispielsweise eine Grabener MPU-156 HS Coining Press aus dem Jahr 1991.
Die technische Ausstattung blieb damit nicht als geschlossene historische Anlage erhalten, sondern wurde in einzelnen Losen verkauft. Wo jede der ehemaligen Pobjoy-Maschinen heute steht und ob einzelne Pressen weiterhin zur Münz- oder Medaillenproduktion verwendet werden, lässt sich aus den verfügbaren Unterlagen nicht zuverlässig nachvollziehen.
Taya Pobjoy erklärte zugleich, dass die Münzen der eigenen Firmensammlung einzeln erfasst und digital dokumentiert wurden. Dadurch blieb zumindest ein Teil der Unternehmensgeschichte systematisch festgehalten, während sich die eigentliche Produktionstechnik nach dem Ende der Mint verteilte.
Gerade dieser Unterschied wird bei weiteren ehemaligen Münzstätten interessant sein. Nicht überall endet die Geschichte der Maschinen gleichzeitig mit der Geschichte der Mint.
Ist die Pobjoy Mint wirklich geschlossen?
Bei dieser Frage lohnt sich eine genaue Formulierung. Ende 2023 wurde der Münzprägebetrieb eingestellt, die juristische Gesellschaft Pobjoy Mint Limited wurde jedoch nicht gelöscht.
Im britischen Companies House wird sie weiterhin mit dem Status „Active“ geführt. Die Gesellschaft war am 21. Juli 1952 zunächst als Ernest Pobjoy Limited eingetragen worden und trägt seit Juni 1985 den Namen Pobjoy Mint Limited.
Ein interessantes Detail findet sich noch im registrierten Unternehmenszweck. Dort steht weiterhin der SIC-Code 32110 „Striking of coins“, also Münzprägung, obwohl die tatsächliche Produktion seit Ende 2023 beendet ist. Daneben sind inzwischen auch Tätigkeiten aus dem Immobilienbereich registriert.
Das ist mehr als eine juristische Spitzfindigkeit. Bei der Recherche zu historischen Münzstätten muss zwischen dem Prägebetrieb, der Marke und der dahinterstehenden Gesellschaft unterschieden werden. Diese drei Dinge müssen nicht am selben Tag enden.
Für Sammler ist die relevante Grenze dennoch klar: Seit dem Ende des Prägebetriebs kommen keine neuen Pobjoy-Prägungen mehr hinzu.
Werden Pobjoy-Münzen durch die Schließung wertvoller?
Nein, jedenfalls nicht allein deshalb.
Pobjoy produzierte in 58 Jahren eine enorme Bandbreite – von Umlaufmünzen und Medaillen bis zu Bullionausgaben und sehr kleinen Proof-Auflagen. Entsprechend unterschiedlich ist die heutige Verfügbarkeit.
Für den Sammlerwert bleiben deshalb die üblichen Faktoren entscheidend: Auflage, tatsächliche Marktverfügbarkeit, Erhaltung, Prägequalität, Motiv, Nachfrage und gegebenenfalls die Zertifizierung durch NGC oder PCGS. Eine häufige Pobjoy-Ausgabe wird nicht dadurch selten, dass die Mint heute nicht mehr produziert.
Bei einer Goldmünze mit 500 oder 1.000 Exemplaren ist die Ausgangslage selbstverständlich eine andere. Auch dort sollte die Schließung der Mint aber nicht mit zusätzlicher Seltenheit verwechselt werden. Die vorhandene Auflage wird dadurch nicht kleiner.
Was sich tatsächlich geändert hat, ist die Perspektive auf das gesamte Gebiet. Zum ersten Mal steht fest, dass keine neuen Pobjoy-Prägungen mehr hinzukommen. Serien, Technologien und Auftraggeber lassen sich damit als abgeschlossene Produktionsgeschichte betrachten.
Für die Beschäftigung mit Pobjoy ist das interessanter als die pauschale Behauptung, die Münzen müssten deshalb nun automatisch wertvoller werden.
Häufige Fragen zur Pobjoy Mint
Wann wurde die Pobjoy Mint gegründet?
Derek Pobjoy gründete die Pobjoy Mint 1965. Die Produktion begann mit einer gebraucht gekauften Münzpresse und einer Gedenkmedaille für Winston Churchill.
Wann stellte die Pobjoy Mint ihren Prägebetrieb ein?
Der Münzprägebetrieb endete zum Jahresende 2023 nach 58 Jahren. Taya Pobjoy hatte ihren Rückzug im Oktober 2023 angekündigt.
Existiert Pobjoy Mint Limited noch?
Ja. Pobjoy Mint Limited wird im britischen Companies House weiterhin als aktive Gesellschaft geführt. Beendet wurde der eigentliche Münzprägebetrieb.
Welche Länder ließen bei Pobjoy prägen?
Pobjoy arbeitete während seiner Geschichte für mehr als 40 Länder und Territorien. Dazu gehörten unter anderem die Isle of Man, Gibraltar, die Falklandinseln, Britische Jungferninseln, Sierra Leone, Liberia, Senegal, Peru, Seychellen, Äthiopien und Burundi.
Sind alle Münzen der Isle of Man Pobjoy-Prägungen?
Nein. Die langjährige Zusammenarbeit mit Pobjoy endete 2017. Bei späteren Ausgaben sollte die konkrete Münze beziehungsweise Serie geprüft werden, statt die Prägestätte allein aus dem Ausgabeland abzuleiten.
Wofür war Pobjoy besonders bekannt?
Neben dem internationalen Auftragsgeschäft experimentierte Pobjoy mit zahlreichen Materialien und Techniken. Dazu gehörten Virenium, Titan, Hologramme, mehrteilige Metallkonstruktionen, Edelsteine und ungewöhnliche Münzformen.
Werden Pobjoy-Münzen jetzt automatisch wertvoller?
Nein. Das Ende des Prägebetriebs verändert nicht die bereits vorhandene Stückzahl einer Ausgabe. Für den Sammlerwert bleiben vor allem Auflage, Nachfrage, Erhaltung und tatsächliche Marktverfügbarkeit entscheidend.
Fazit
Pobjoy unterscheidet sich von vielen historischen Münzstätten vor allem durch die zeitliche Nähe. Carson City und Dahlonega gehören längst selbstverständlich zur abgeschlossenen Münzgeschichte; bei Pobjoy war der Prägebetrieb noch 2023 aktiv.
Entsprechend modern sind viele Stücke, die heute im Handel und in Sammlungen auftauchen. Angels, Nobles und Proof-Goldmünzen liegen neben thematischen Lizenzserien, experimentellen Metallprägungen und jahrzehntealten Umlaufmünzen. Diese Mischung ist nicht durchgehend gleich spannend, aber gerade deshalb lohnt sich die Beschäftigung mit der einzelnen Ausgabe.
Mit dem Ende der Produktion lässt sich erstmals die gesamte Entwicklung der Pobjoy Mint überblicken: vom Start mit einer gebrauchten Presse über die lange Partnerschaft mit der Isle of Man und internationale Regierungsaufträge bis zu Titan, Hologrammen und schließlich der Versteigerung der eigenen Produktionsmaschinen.
Ob daraus irgendwann ein stärker abgegrenztes Sammelgebiet entsteht, wird der Markt zeigen. Historisch ist Pobjoy seit Ende 2023 jedenfalls etwas, das die Mint vorher nicht war: ein abgeschlossenes Kapitel moderner Münzprägung.
Über den Autor
Dirk Wasserthal ist Mitgründer und Geschäftsführer von Wasserthal RareCoin.Store. Er beschäftigt sich insbesondere mit modernen numismatischen Goldmünzen, seltenen Jahrgängen, zertifizierten Sammlermünzen und der Geschichte ihrer Prägestätten und Märkte.
Transparenzhinweis
Wasserthal RareCoin.Store handelt mit seltenen modernen Goldmünzen. Einige der in diesem Beitrag genannten Pobjoy-Prägungen befinden sich in unserem Angebot oder wurden von uns gehandelt. Die Beispiele dienen der numismatischen Einordnung der Geschichte der Pobjoy Mint und stellen keine Aussage über eine zukünftige Wertentwicklung einzelner Münzen dar.
Quellen und weiterführende Dokumente
- Pobjoy Heritage: The Pobjoy History – Unternehmensgeschichte zur Familie Pobjoy, zur Gründung der Mint 1965, zur ersten gebrauchten Münzpresse, zur Churchill-Medaille und zur frühen Zusammenarbeit mit der Isle of Man.
Quelle öffnen - Pobjoy Mint: British Pobjoy Mint World Firsts – Offizielle Chronik zu Virenium, der Isle-of-Man-£1-Münze von 1979, der Braille-Ausgabe von 1981, der Penny Black von 1990, Hologrammprägungen sowie der 1999 für Gibraltar geprägten „Millennium Time“, die Pobjoy als weltweit erste Titanmünze bezeichnet.
Quelle öffnen - Pobjoy Mint: Countries, Independent & Overseas Territories – Offizielle Übersicht der Staaten und Territorien, für die Pobjoy arbeitete, einschließlich der Angaben zur Unterstützung beim Aufbau einer Münzstätte in Usbekistan.
Quelle öffnen - Pobjoy Mint: Famous Coins – Offizielle Übersicht bekannter Pobjoy-Programme und Lizenzserien, darunter Pokémon, Angry Birds und Peter Rabbit.
Quelle öffnen - Pobjoy Mint: offizielle Unternehmensseite – Angaben zur Harry-Potter-Lizenz und zur Nutzung des Tresorraums der Pobjoy Mint als Drehort für die Gringotts-Bank-Szene in „Harry Potter und der Stein der Weisen“.
Quelle öffnen - Jeff Starck: After 58 years of operation, UK’s Pobjoy Mint closing, Coin World, 12. Oktober 2023 – Zeitgenössischer Bericht zur angekündigten Einstellung des Prägebetriebs, zur Geschichte der Mint und zu ihren internationalen Auftraggebern.
Quelle öffnen - Jeff Starck: Long partnership ends for Pobjoy Mint, Coin World, 22. Juli 2016 – Bericht über das Ende der jahrzehntelangen Zusammenarbeit zwischen der Pobjoy Mint und der Isle of Man.
Quelle öffnen - Ursula Kampmann: The End of Pobjoy Mint – An Interview with Taya Pobjoy, CoinsWeekly, 18. Januar 2024 – Interview mit Taya Pobjoy über ihren Rückzug, die Entscheidung gegen den Verkauf der Marke, die letzten Jahre der Mint und die Dokumentation der Firmensammlung.
Quelle öffnen - CoinsWeekly: A Highly Unusual Auction – Assets From Pobjoy Mint for Sale, 8. Februar 2024 – Bericht zur Versteigerung von mehr als 200 Positionen aus dem ehemaligen Münzbetrieb, darunter Münzpressen, Werkzeugmaschinen sowie Fertigungs-, Druck- und Verpackungstechnik.
Quelle öffnen - UK Companies House: Pobjoy Mint Limited, Company No. 00509935 – Amtlicher Registereintrag zu Gesellschaftsstatus, früherem Firmennamen, Namensänderung und registrierten Geschäftszwecken einschließlich SIC 32110 „Striking of coins“.
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Quellen zuletzt geprüft: 2. September 2026.
