Hong Kong Mint: Zwei Jahre Münzprägung und ein zweites Leben in Osaka

Historische Hong Kong Mint und ihr zweites Leben in Osaka (KI-Illustration)

Auf dem Silberdollar steht HONG KONG. Auf der Vorderseite blickt Königin Victoria nach links. Auf der Rückseite liegt ein chinesisches Labyrinthmuster im Zentrum. Geprägt wurde dieses Stück nicht in London, sondern in einer neuen Münzstätte an der Causeway Bay. Sie öffnete am 7. Mai 1866 und schloss schon am 25. April 1868. [1] [4]

Damit endete der Betrieb, aber nicht die Geschichte seiner Technik. Maschinen, Pläne und Fachleute aus Hongkong wurden Teil des Aufbaus der modernen japanischen Münzstätte in Osaka. Eine der damals übernommenen französischen Pressen steht heute vor dem Museum der Japan Mint. [10] [12]

Kurzantwort: Was war die Hong Kong Mint?

Die Hong Kong Mint war eine staatliche Münzstätte der britischen Kolonie Hongkong. Sie wurde 1864 durch eine koloniale Verordnung gegründet und stand unter der Aufsicht des Master of the Royal Mint in London. Von 1866 bis 1868 prägte sie Silbermünzen zu 5, 10 und 20 Cent sowie Half Dollar und Dollar. Das Projekt verlor mehr als 500.000 Dollar. Veränderte Marktbedingungen, ungeeignete Maschinen und eine zu geringe Produktionsleistung wirkten zusammen. Nach der Schließung gelangten Teile der Ausstattung und mehrere Mitarbeiter nach Osaka. [1] [3] [6] [10] [12]

Die kurze Geschichte in sechs Daten

DatumEreignis
26. Februar 1864Eine koloniale Verordnung schafft die rechtliche Grundlage für die Münzstätte. [1]
7. Mai 1866Die Hong Kong Mint öffnet offiziell für den Geschäftsbetrieb. [1]
15. September 1866Dollar und Half Dollar aus Hongkong werden in der Kolonie als gesetzliches Zahlungsmittel bekannt gemacht. Sie ergänzen die bereits umlaufenden Dollar. [1]
1867Die Münzstätte fertigt unter anderem ein Tael Muster für Shanghai mit britischem Wappen und chinesischem Drachen. [9]
25. April 1868Nach weniger als zwei vollen Produktionsjahren schließt der Betrieb. [1]
4. April 1871Die Japan Mint in Osaka wird eröffnet. Ausstattung und Fachwissen aus Hongkong gehören zu ihrer Vorgeschichte. [10] [11] [12]

Ein eigener Dollar für einen Markt voller Währungen

Hongkongs Geldverkehr war in der Mitte des 19. Jahrhunderts kein geschlossenes System. Spanische und mexikanische Silberdollar, indische Rupien, britische Goldmünzen, chinesische Kupfermünzen und Silber nach Gewicht liefen nebeneinander um. Besonders vertraut war der mexikanische Dollar. Er wurde geprüft, gewogen und bei Bedarf mit kleinen Gegenstempeln versehen. [1] [2]

Für die Kolonialregierung entstand daraus ein praktisches Problem. Ein großer Teil ihrer Einnahmen und Verpflichtungen wurde in Dollar gerechnet. Der mexikanische Dollar musste jedoch über weite Strecken beschafft werden und konnte zeitweise einen deutlichen Aufpreis gegenüber seinem reinen Silberwert tragen. Gouverneur Hercules Robinson schlug deshalb eine lokale Münzstätte vor. Sie sollte eingeliefertes Silber in britische Dollar mit dem Bild Königin Victorias verwandeln und über eine Prägegebühr von ungefähr eineinhalb Prozent ihre Kosten decken. [1]

Der neue Dollar sollte mehr als lokales Kleingeld sein. Robinson hoffte auf Akzeptanz in den chinesischen Vertragshäfen und in Japan. Zugleich sollte die Regierung nicht länger von einer fremden Handelsmünze abhängig sein. Das Vorhaben verband Währungspolitik, Kolonialverwaltung und die Erwartung eines gewinnbringenden Industriebetriebs.

Eine Zweigstelle der Royal Mint mit kolonialer Rechnung

Sammlungskataloge bezeichnen den Betrieb häufig als Hong Kong Branch of the Royal Mint. Das ist sachlich begründet. Das britische Schatzamt verlangte ausdrücklich die Kontrolle und Aufsicht durch den Master of the Royal Mint. Die Stempel für Dollar und Half Dollar wurden in London geschnitten. Die Kosten, Beschäftigten und Verluste lagen jedoch bei der Kolonialregierung in Hongkong. [1] [4] [5]

Zum Leiter wurde Thomas William Kinder ernannt. Er hatte Erfahrung mit Eisenbahnen und Maschinen, aber zunächst keine ausgewiesene Laufbahn in Metallurgie oder Münzprägung. Sein Bruder Arthur Kinder, der bei der Royal Mint als Zeichner gearbeitet hatte, fertigte Pläne für die Anlage an. Der Platz an der Causeway Bay entstand auf aufgeschüttetem Gelände. Ein Mauerzug, Wachpersonal und sogar ein vor der Anlage liegendes Kanonenboot sollten das Silber schützen. [1]

Dass die Gebäude nicht nur auf alten Beschreibungen beruhen, zeigen die Archive. Der Government Records Service in Hongkong verzeichnet zwei Pläne der Münzstätte aus dem Jahr 1864. Mizutas Untersuchung weist außerdem Grundriss und Ansichten der Anlage in britischen Archivbeständen nach. [12] [13]

Die Eröffnung begann mit Silber und Stillstand

Am Eröffnungstag war reichlich Metall vorhanden. Nach dem zeitgenössischen Bericht, den Kevin MacKeown ausgewertet hat, lag genug Silber für zwei Millionen Dollar bereit. Die Münzstätte hatte für die ersten zwei Monate auf die Prägegebühr verzichtet. Banken und Händler reagierten darauf mit großen Einlieferungen. [1]

Die Produktion konnte diesen Vertrauensvorschuss nicht nutzen. Kurz vor der Eröffnung war im Walzwerk ein schwerer Antriebsriemen gerissen. Noch wichtiger waren die vier aus Birmingham gelieferten Pressen von James Watt & Co. Sie waren für den großen Dollar nicht leistungsfähig genug. Später kam eine stärkere französische Presse hinzu. In den ersten drei Wochen entstanden statt der erhofften hohen Tagesleistung insgesamt kaum mehr als 18.000 Dollar. Das eingelieferte Silber blieb gebunden und Eigentümer zogen Bestände wieder ab. [1]

Hier ist eine Unterscheidung wichtig. Ein Maschinenhersteller, eine Münzstätte und der Staat auf einer Münze sind nicht dasselbe. Der Beitrag über die Birmingham Mint zeigt diese Rollen an anderen Beispielen. Die Hongkonger Pressen von James Watt & Co. werden nicht dadurch zu Erzeugnissen der Heaton Mint, dass beide Unternehmen in Birmingham arbeiteten.

Welche Münzen tatsächlich in Hongkong geprägt wurden

Die reguläre Münzprägung der Hong Kong Mint konzentrierte sich auf Silber. Ihre Ausgaben lassen sich in kleine Scheidemünzen und große Dollarstücke einteilen. Dazu kamen Muster, mit denen neue Aufträge und eine breitere Akzeptanz gewonnen werden sollten.

NominalEinordnungWichtiger Hinweis
5 CentKleine Silbermünze aus einer Legierung mit 800/1000 SilberDie Hong Kong Mint prägte 5, 10 und 20 Cent Stücke in ihrem Betriebszeitraum von 1866 bis 1868. [6]
10 CentKleine Silbermünze, deren Nominal schon vor der lokalen Münzstätte existierteBis 1866 kam sie aus London. Während des lokalen Betriebs wurde sie in Hongkong geprägt. Nach der Schließung kehrte die Herstellung nach Großbritannien zurück. [7]
20 CentKleine Silbermünze mit Königin Victoria und chinesischen WertzeichenEin Exemplar von 1866 bei Museums Victoria misst 23 Millimeter und wiegt 5,341 Gramm. [6]
Half DollarGroße Silbermünze mit demselben Grundentwurf wie der DollarDas Museumsexemplar von 1866 misst 32 Millimeter und wiegt 13,404 Gramm. [5]
1 DollarDie zentrale Handelsmünze des ProjektsDas Museumsexemplar von 1866 misst 38 Millimeter und wiegt 26,926 Gramm. [4]
1 Tael ShanghaiMuster von 1867 und keine reguläre UmlaufsmünzeBritisches Wappen und chinesischer Drache sollten einen Auftrag oder eine Zulassung in China fördern. [9]

Der Dollar und der Half Dollar tragen das nach links gerichtete Porträt Königin Victorias. Leonard Charles Wyon adaptierte dafür eine Porträtmedaille von William Theed. Der Ornamentgestalter Owen Jones entwarf das chinesische Labyrinthmuster der Rückseite. Die Stempel schnitt Wyon in London. Bei regulären Dollarprägungen kam dann der Prägeschlag aus Hongkong. [4] [5]

Nicht jedes Stück mit Hong Kong und der Jahreszahl 1866 stammt aus der lokalen Münzstätte. Der gelochte 1 Mil von 1866 wurde in London geprägt. Museums Victoria führt außerdem Dollar Proofs von 1866, die wahrscheinlich in London entstanden, während die regulären Prägungen aus Hongkong kamen. Jahreszahl, Ausgabestaat und Prägestätte müssen deshalb getrennt geprüft werden. [8] [4] [15]

Warum die Hong Kong Mint scheiterte

Eine verbreitete Kurzfassung lautet, chinesische Händler hätten den neuen Dollar abgelehnt. Diese Erklärung greift zu kurz. MacKeowns Untersuchung stellt mehrere Ursachen nebeneinander und zeigt, dass sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen bereits verändert hatten, bevor die Münzstätte öffnete. [1]

Der mexikanische Dollar verlor seinen hohen Aufpreis

Als Robinson das Projekt plante, waren unverstempelte mexikanische Dollar knapp und teuer. Bis 1864 verbesserte sich ihr Angebot. Die Nachfrage in Japan ließ nach und der Preis in Shanghai näherte sich dem reinen Silberwert. Damit schrumpfte gerade die Marge, aus der die Hong Kong Mint ihre Prägegebühr und ihre hohen Fixkosten finanzieren wollte. Rohsilber blieb im chinesischen Handel ohnehin akzeptiert. [1]

Die Münzstätte konnte nicht schnell genug prägen

Das Geschäftsmodell brauchte große Mengen. Doch die englischen Pressen arbeiteten bei den Dollarstücken zu langsam und lieferten anfangs ungleichmäßige Ergebnisse. Ein späterer Beobachter hielt die französische Presse für deutlich besser. Eine einzige gute Presse löste das Kapazitätsproblem aber nicht. Weil Kunden monatelange Wartezeiten für ihr Silber fürchten mussten, zogen sie Einlieferungen zurück. [1]

Vertrauen ließ sich nicht verordnen

Dollar und Half Dollar wurden im September 1866 in Hongkong gesetzliches Zahlungsmittel. Andere Dollar blieben trotzdem im Umlauf. Die Regierung wollte den vertrauten mexikanischen Dollar nicht sofort verdrängen und hätte dafür zunächst auch nicht genug eigene Münzen liefern können. Hinzu kamen Klagen über Gewichtsschwankungen, nachgemachte Münzen und gestohlene Stempel. Das belastete ein Produkt, dessen Erfolg gerade von schneller Wiedererkennbarkeit und Vertrauen abhing. [1]

Schließlich gab es Konflikte um Personal, Kosten und Leitung. MacKeown bewertet die technische Unterausstattung als wichtigen Teil des Scheiterns, ohne sie zur einzigen Ursache zu erklären. Der veränderte Silbermarkt nahm dem Plan die wirtschaftliche Grundlage. Die schwache Produktionsleistung verhinderte zugleich, dass der neue Dollar rasch in großer Zahl in Umlauf kam. Gewohnheiten und Vertrauen verstärkten beide Probleme.

Am Ende summierten sich die Verluste auf mehr als 500.000 Dollar. [1]

Der Drache, der die Münzstätte nicht rettete

1867 versuchte die Hong Kong Mint, ihr Geschäft mit einer Münze nach chinesischem Gewichtsmaß zu erweitern. Das Muster zu einem Tael Shanghai zeigt auf einer Seite das gekrönte britische Wappen. Auf der anderen Seite erscheint ein Drache in einem Band mit chinesischen Zeichen. Anders als bei den Dollarstempeln wurden Entwurf und Stempel dieses Musters in Hongkong ausgeführt. Proben gingen nach Peking. Eine Zustimmung für die beabsichtigte Verwendung folgte nicht. [9]

Das Stück ist gerade deshalb aufschlussreich, weil es keine reguläre Umlaufsmünze wurde. Es dokumentiert den Versuch, eine koloniale Münzstätte an den chinesischen Markt anzupassen. Ein vertrautes Gewichtsmaß und ein chinesisches Motiv reichten nicht aus, um die wirtschaftlichen und politischen Hürden zu überwinden.

Von der Causeway Bay nach Osaka

Im Herbst 1867 reiste Thomas Kinder nach Shanghai und Tokio. Er suchte Aufträge und zugleich einen Käufer für die Münzstätte. Im Februar 1868 kam aus London die Erlaubnis zur Schließung. Am 25. April endete der Betrieb. Im Juni wurde die Maschinenausstattung an die japanische Regierung verkauft. [1]

Was danach geschah, war mehr als der Transport einiger gebrauchter Geräte. Der Architekturhistoriker Susumu Mizuta belegt einen Transfer von Menschen, Maschinen und Plänen aus der früheren Hong Kong Mint. Händler von Glover & Co. und Jardine Matheson vermittelten diesen Übergang. Kinder wurde später Leiter der japanischen Münzstätte. Japan ergänzte die übernommene Ausstattung und entwickelte in Osaka einen wesentlich erfolgreicheren Betrieb. [1] [12]

Die Japan Mint wurde am 4. April 1871 feierlich eröffnet und nahm ihre Arbeit mit westlicher Industrieausstattung auf. Zu den frühen Prägungen gehörten Goldmünzen des 1871 eingeführten japanischen Währungssystems mit dem Yen als Einheit. Vor ihrem Museum steht heute eine französische Thonnelier Presse. Nach der offiziellen Objektbeschreibung gehörte sie zu der 1868 aus der geschlossenen Hong Kong Mint gekauften Maschinenausstattung. Anfangs prägte sie Gold und Silber, später Kupfermünzen. [10] [11]

Die Presse ist daher kein Beleg dafür, dass Osaka die Hongkonger Münzstätte unverändert übernommen hätte. Sie ist etwas Interessanteres. Sie zeigt, wie Technik aus einem gescheiterten kolonialen Projekt in einem neuen politischen und industriellen Zusammenhang weiterarbeitete.

Was am früheren Standort erhalten blieb

Das Gelände der Hong Kong Mint lag an der Causeway Bay. Nach der Schließung gingen Gebäude und Grund an Jardine Matheson. Ab 1878 arbeitete dort die China Sugar Refinery. Auch diese Anlage verschwand später. City in Time verortet auf dem früheren Areal heute Windsor House und Hang Lung Centre. [14]

Von der Münzstätte steht dort kein vollständiger historischer Industriekomplex mehr. Ihr Ort lässt sich aber durch Pläne, Fotografien und Verwaltungsakten rekonstruieren. Der Government Records Service nennt die Pläne von 1864 ausdrücklich in seiner Übersicht zu den Beständen aus den 1860er Jahren. [13]

Die sichtbarsten Überreste liegen damit weit auseinander. Die Münzen befinden sich in Sammlungen. Pläne liegen in Archiven. Eine Presse steht in Osaka. Aus einem nur zwei Jahre tätigen Betrieb ist eine Spur zwischen Hongkong, London und Japan geworden.

Was Sammler aus der Geschichte mitnehmen können

Bei Münzen aus Hongkong um 1866 genügt die Jahreszahl nicht für eine sichere Zuordnung. Ein 1 Mil von 1866 stammt aus London. Ein regulärer Dollar desselben Jahres kann aus der Hong Kong Mint kommen. Ein Proof mit gleichem Motiv kann wiederum in London geprägt worden sein. Für die Bestimmung zählen Nominal, Prägeart, Stempelvariante, dokumentierter Herstellungsort und die konkrete Katalogzuordnung. [4] [8] [15]

Auch die Bezeichnung Hong Kong Branch of the Royal Mint ersetzt diese Prüfung nicht. Sie beschreibt die institutionelle Verbindung, aber kein Münzzeichen auf dem einzelnen Stück. Die regulären Hongkonger Dollar tragen kein eigenes kleines Kennzeichen, das ihre Prägestätte so bequem verrät wie das H auf bestimmten Heaton Münzen.

Bei Mustern wie dem Tael von 1867 kommt eine weitere Ebene hinzu. Sie dokumentieren einen nicht verwirklichten Plan und gehören nicht in eine Aufstellung regulärer Umlaufsmünzen. Seltenheit, Erhaltung und Echtheit müssen am einzelnen Exemplar geprüft werden. Die Geschichte der Münzstätte erklärt seine Bedeutung, macht aber keine Aussage über eine künftige Wertentwicklung.

Fazit: Die Münzstätte verschwand, ihr Betriebskapital wanderte weiter

Was bleibt von einer Münzstätte, wenn sie verschwindet? Bei der Hong Kong Mint lautet die Antwort nicht nur Münzen. Es bleiben ein Dollarentwurf zwischen britischem Porträt und chinesischem Ornament, ein nicht eingeführtes Tael Muster, archivierte Baupläne und eine Maschine, die in Osaka weiterprägte.

Die Münzstätte selbst war ein finanzieller Fehlschlag. Sie kam zu spät für die Marktbedingungen, auf denen ihre Rechnung beruhte, und war technisch nicht in der Lage, die nötigen Mengen schnell zu liefern. Doch Maschinen, Pläne und Menschen gingen nicht einfach verloren. Ähnlich wie die historische Presse Oom Paul überdauerte ein Teil der Technik den Betrieb, für den er ursprünglich angeschafft worden war. In Hongkong endete das Experiment 1868. In Osaka erhielt es ab 1871 ein zweites Leben.

Häufige Fragen zur Hong Kong Mint

Wann arbeitete die Hong Kong Mint?

Sie öffnete am 7. Mai 1866 und schloss am 25. April 1868. Die rechtliche Grundlage war bereits am 26. Februar 1864 geschaffen worden. [1]

War die Hong Kong Mint eine Zweigstelle der Royal Mint?

Ja. Zeitgenössisch war sie unter die Kontrolle und Aufsicht des Master of the Royal Mint gestellt. Sammlungskataloge bezeichnen sie als Hong Kong Branch of the Royal Mint. Finanziert und betrieben wurde sie von der Kolonialregierung in Hongkong. [1] [4]

Welche Münzen wurden in Hongkong geprägt?

Zum regulären Programm gehörten Silbermünzen zu 5, 10 und 20 Cent sowie Half Dollar und Dollar. Daneben entstanden Muster, darunter 1867 ein Tael Shanghai mit einem Drachen. [4] [5] [6] [9]

Warum wurde die Münzstätte so schnell geschlossen?

Es gab keine einzelne Ursache. Der Aufpreis des mexikanischen Dollars war schon vor der Eröffnung stark gesunken. Gleichzeitig konnte die Münzstätte wegen ihrer technischen und organisatorischen Probleme nicht schnell genug prägen. Begrenzte Akzeptanz, Zweifel an Gewicht und Qualität sowie Fälschungen erschwerten den Start zusätzlich. [1]

Was geschah mit den Maschinen?

Die japanische Regierung kaufte 1868 die Maschinenausstattung. Geräte, Pläne und Fachleute aus Hongkong flossen in den Aufbau der Japan Mint in Osaka ein. Eine französische Presse aus diesem Bestand steht heute vor dem dortigen Museum. [10] [12]

Stammt jede Hongkong Münze von 1866 aus der Hong Kong Mint?

Nein. Ein 1 Mil von 1866 wurde zum Beispiel in London geprägt. Auch bei Dollar Proofs von 1866 führt Museums Victoria London als wahrscheinlichen Herstellungsort. Die konkrete Prägeart und Katalogzuordnung sind deshalb wichtiger als die Jahreszahl allein. [8] [15]

Über den Autor

Dirk Wasserthal ist Mitgründer und Geschäftsführer von Wasserthal RareCoin.Store. Er beschäftigt sich insbesondere mit modernen numismatischen Goldmünzen, seltenen Jahrgängen, zertifizierten Sammlermünzen und der Geschichte ihrer Prägestätten und Märkte.

Transparenzhinweis

Wasserthal RareCoin.Store handelt mit seltenen modernen Goldmünzen. Dieser Beitrag dient der historischen und numismatischen Einordnung der Hong Kong Mint und ihrer Prägungen. Die genannten Münzen sind historische Beispiele und stellen keine Aussage über die zukünftige Wertentwicklung einzelner Stücke dar.

Quellen und weiterführende Dokumente

[1]P. Kevin MacKeown: The Hong Kong Mint, 1864 bis 1868, Journal of the Royal Asiatic Society Hong Kong Branch, Band 47, 2007, Seiten 41 bis 79. Die zentrale wissenschaftliche Untersuchung zu Gründung, Technik, Personal, Marktbedingungen, Verlusten, Schließung und Verkauf der Ausstattung. Ihre Auswertung von Verwaltungsakten erlaubt eine differenziertere Erklärung des Scheiterns als die pauschale These einer chinesischen Ablehnung.

[2]Hong Kong Monetary Authority: History and Evolution of Coins in Hong Kong. Offizieller Überblick zur Währungsgeschichte und zur Einführung eigener Hongkonger Münzen vor und während der lokalen Münzprägung.

[3]Hong Kong Museum of History: Hong Kong Currency. Offizielle Ausstellungsseite. Bestätigt den lokalen Prägebetrieb der Hong Kong Mint von 1866 bis 1868.

[4]Museums Victoria: 1 Dollar, Hong Kong, 1866, NU 12980. Objektdatensatz zu einer regulären Prägung aus der Hong Kong Mint mit Beschreibung, Maßen und Zuordnung der beteiligten Gestalter.

[5]Museums Victoria: Half Dollar, Hong Kong, 1866, NU 12994. Objektdatensatz zur großen Silbermünze und zur gemeinsamen Gestaltung von Half Dollar und Dollar.

[6]Museums Victoria: 20 Cents, Hong Kong, 1866, NU 13000. Objektdatensatz. Er ordnet die lokalen 5, 10 und 20 Cent Prägungen einer Silberlegierung mit 800/1000 Feinheit zu und erläutert ihren Charakter als Scheidemünzen.

[7]Museums Victoria: 10 Cents, Hong Kong, 1863, NU 13013. Der Datensatz unterscheidet die Londoner Herstellung bis 1866, die lokale Prägung von 1866 bis 1868 und die spätere Rückkehr der Produktion nach Großbritannien.

[8]Museums Victoria: 1 Mil, Hong Kong, 1866, NU 13088. Belegt die Herstellung dieses gelochten Bronzestücks bei der Royal Mint in London. Es dient im Artikel als Gegenbeispiel zu einer Zuordnung allein nach Ausgabeland und Jahreszahl.

[9]Museums Victoria: Pattern 1 Tael Shanghai, Hong Kong, 1867, NU 24434. Objektdatensatz zum in Hongkong entworfenen und geprägten Muster mit britischem Wappen und chinesischem Drachen. Die Seite verlinkt zudem den Datensatz eines Dollar Proofs, der wahrscheinlich in London entstand.

[10]Japan Mint: Thonnelier Prägemaschine im Außenbereich des Museums. Offizielle japanische Objektbeschreibung. Die Japan Mint nennt den Erwerb der Hongkonger Maschinenausstattung im Jahr 1868 für 60.000 Ryō und beschreibt den späteren Einsatz der französischen Presse für Gold, Silber und Kupfer.

[11]Japan Mint: History. Offizielle englische Darstellung zur Gründung der Münzstätte in Osaka, zur Eröffnungsfeier am 4. April 1871 und zur Bedeutung der importierten westlichen Industrieausstattung.

[12]Susumu Mizuta: Making a Mint, Architectural History, Band 62, 2019, Seiten 89 bis 111. Die Studie belegt anhand britischer und japanischer Archive den Transfer von Menschen, Maschinen und Plänen aus der früheren Hong Kong Mint nach Osaka sowie die Vermittlung durch Glover & Co. und Jardine Matheson.

[13]Government Records Service Hong Kong: Recording Hong Kong, 1860s. Offizielle Bestandsübersicht mit Entwürfen für Hongkonger Münzen von 1863 und zwei Plänen der Hong Kong Mint aus dem Jahr 1864.

[14]City in Time: Tai Hang und die China Sugar Refinery. Verortet die Münzstätte an der Causeway Bay und beschreibt die spätere Nutzung des Geländes durch Jardine Matheson, die Zuckerraffinerie und die heutigen Gebäude Windsor House und Hang Lung Centre.

[15]Museums Victoria: Proof 1 Dollar, Hong Kong, 1866, NU 12979. Der Objektdatensatz führt London als wahrscheinlichen Herstellungsort der Proofs und grenzt sie von den regulären Prägungen der Hong Kong Mint ab.

Redaktionsstand: 4. September 2026.

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