Ein britischer Penny aus Bronze und ein goldener Burgerspond aus der Südafrikanischen Republik scheinen wenig gemeinsam zu haben. Der eine war Kleingeld für den Alltag, der andere wurde eine gesuchte Seltenheit. Doch ein Penny von 1912 mit dem Münzzeichen H und der Burgerspond von 1874 führen zur selben privaten Münzstätte: Heaton in Birmingham. [1] [2]
Auf den Münzen stehen unterschiedliche Länder, Herrscher und Währungen. Dahinter konnte derselbe Hersteller stecken.
In unserer Reihe über historische Prägestätten und Münztechnik geht es auch darum, was nach dem Ende eines Betriebs erhalten bleibt. Bei der Pobjoy Mint sind es unter anderem die Prägungen. Bei Birmingham führt die Suche zu drei Orten: zur alten Fabrikfront an der Icknield Street, ins Stadtarchiv und nach Brierley Hill, wo heute eine Gesellschaft gleichen Namens eingetragen ist. [9] [10] [11]
Kurzantwort: Was war die Birmingham Mint?
Die Birmingham Mint, auch als Heaton Mint bekannt, war eine private Münzstätte in Birmingham. Sie fertigte unter anderem britische und australische Münzen. Ein Standort der staatlichen Royal Mint war sie nicht. Bei den Pennys von 1912 verweist das kleine H auf Heaton als Hersteller. Die Länderangabe auf der Münze bezeichnet dagegen den Ausgabestaat. [1] [4] [6]
Eine Münzstätte verkauft ihre Maschinen – Heaton beginnt zu prägen
Die Familie Heaton war seit 1794 in der Metallverarbeitung tätig. Ralph Heaton II erhielt 1817 eine eigene Werkstatt. Diese frühen Daten gehören zur Geschichte des Familienbetriebs. Mit der Münzprägung begann Heaton erst später. [3]
Den entscheidenden Anstoß gab das Ende eines anderen Birminghamer Unternehmens: Heaton kaufte 1850 Maschinen der aufgelösten Soho Mint. Deren technische Ausstattung bekam damit eine neue Aufgabe. [3] [4]
Was von Soho übrig blieb, half Heaton beim Aufbau eines neuen Geschäftszweigs. Die Maschinen wechselten den Besitzer und arbeiteten in einem anderen Birminghamer Betrieb weiter.
1851 entstand ein Penny-Token für Annand Smith in Sydney, den Museums Victoria als erste Prägung des Betriebs führt. 1889 wurde das Familienunternehmen zur Kapitalgesellschaft und erhielt den Namen „The Mint Birmingham Limited“. [3]
Die Fabrik an der Icknield Street
1862 bezog Ralph Heaton & Sons den neuen Betrieb an der Icknield Street. Hinter der repräsentativen Backsteinfront lagen Werkstätten, Gießerei und Walzwerke sowie Maschinen- und Kesselhaus. Der ursprüngliche Komplex war um zwei Innenhöfe angeordnet. [5]
Diese Gebäude helfen, sich die Herstellung vorzustellen. Eine Münze entsteht nicht allein durch den Schlag einer Presse. Zuvor muss das Metall verarbeitet und für die Prägung vorbereitet werden.
Der Aktenkatalog des Stadtarchivs verzeichnet für 1853 einen Vorgang unter dem Titel „500 Tons Copper Coin for Royal Mint“. Laut Beschreibung enthält die Akte Kopien von Verträgen und Korrespondenz zu Kupfermünzaufträgen der Royal Mint sowie Vertragsbedingungen mit der Calcutta Mint über Kupferrohlinge für die Jahre 1856 bis 1861. Ob die genannten 500 Tonnen vollständig produziert und geliefert wurden, lässt sich dem Katalogeintrag nicht entnehmen. Schon der Titel rückt den Betrieb jedoch in industrielle Größenordnungen. [12]
Auch das Geschäft reichte über fertige Münzen hinaus. 1887 erhielt Heaton den Auftrag, die Münzstätte in Canton, dem heutigen Guangzhou, zu bauen und auszustatten. Das Unternehmen lieferte damit auch die Voraussetzungen, unter denen anderswo geprägt werden konnte. [3]
Maschinenbau, Rohlingfertigung und Münzprägung waren drei verschiedene Leistungen. Die Birmingham Mint konnte damit an der Entstehung anderer Prägebetriebe beteiligt sein, ohne deren Münzen selbst zu prägen.
Ein kleines H verrät, wo der Penny geprägt wurde
Auf dem britischen Penny von 1912 steht H auf der Britannia-Seite links neben der Jahreszahl. Museums Victoria bewahrt ein solches Exemplar auf. [1]
Das Museum besitzt auch einen australischen Penny von 1912 aus derselben Münzstätte. Dort steht H unter der unteren Zierrolle auf der Wertseite. Die Buchstaben B.M. am Porträt bezeichnen hingegen den Künstler Bertram Mackennal. Sie sind kein zweites Münzzeichen. [6]
Ein Blick auf diese beiden Stücke macht den Unterschied zwischen Ausgabeland, Hersteller und Gestalter anschaulich. Großbritannien und Australien gaben unterschiedliche Münzen aus. Heaton prägte beide. Das H ist auf diesen Ausgaben ein Münzzeichen, während die Künstlerinitialen eine andere Frage beantworten.
Der Burgerspond verbindet Birmingham mit südafrikanischem Gold
Der Burgerspond von 1874 führt die Geschichte nach Südafrika. Die Goldprägung der Südafrikanischen Republik zeigt Präsident Thomas François Burgers und wurde bei Heaton geprägt. Als Gestalter nennt der ausgewertete Auktionskatalog Leonard Wyon. [2]
Damit hat eine bekannte Rarität der südafrikanischen Numismatik einen britischen Herstellungsort. Der Burgerspond erzählt zugleich südafrikanische Währungs- und britische Industriegeschichte.
In der Geschichte der Münzpresse Oom Paul führt die Spur nach Pretoria. Beim älteren Burgerspond führt sie nach Birmingham.
Kleingeld und Goldrarität, derselbe Hersteller. An einem Heaton-Penny lässt sich diese Werkstattgeschichte nachvollziehen, ohne dass daneben ein Burgerspond liegen muss.
Das Ende 2003
Die Geschichte endete nicht mit den klassischen Sammlermünzen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Noch 2002 beschrieb sich die Birmingham Mint in einer Eingabe an das britische Parlament als privates Unternehmen mit 180 Beschäftigten. Zum Geschäft gehörten Münzen, Rohlinge, Token und Medaillen. [7]
Inzwischen war jedoch eine wichtige Geschäftsbeziehung zerbrochen. Nach Darstellung der Birmingham Mint hatte die Royal Mint sie im Juli 2001 einseitig aus einer seit 40 Jahren bestehenden Konsortialvereinbarung für Märkte außerhalb der EU ausgeschlossen. Da die Royal Mint gegenüber den Kunden aufgetreten sei, habe Birmingham dadurch den Zugang zu diesen Geschäftsbeziehungen verloren. Das Unternehmen warf der staatlichen Konkurrenz unfaire Wettbewerbsbedingungen vor und machte Vertragsansprüche geltend. [7]
Als der zuständige Parlamentsausschuss im November 2003 den Royal-Mint-Geschäftsführer Gerald Sheehan befragte, stand die Birmingham Mint bereits unter Insolvenzverwaltung. In der Bilanz der Royal Mint war die Forderung aus dem Streit als Eventualverbindlichkeit von 5,4 Millionen Pfund ausgewiesen. Geld hatte die Royal Mint dafür nicht zurückgestellt. Sheehan erklärte, man werde die Forderung bestreiten, falls sie weiterverfolgt werde. [8]
Auf die Folgen der Schließung angesprochen, verwies Sheehan auf den internationalen Wettbewerb. Innerhalb von 12 bis 18 Monaten seien drei oder vier Wettbewerber aus dem Markt verschwunden. Weil die Branche weiterhin Überkapazitäten aufweise, habe die Royal Mint keine spürbare Wirkung festgestellt. Laufende Birminghamer Aufträge habe sie nicht übernommen. [8]
Darin liegt die eigentliche Ironie dieser Geschichte. 1850 hatte Heaton vom Ende der Soho Mint profitiert und deren Maschinen gekauft. 153 Jahre später endete der historische Birminghamer Betrieb in einem Markt, der den Wegfall mehrerer Hersteller offenbar ohne größeren Bruch verkraftete. Für Birmingham war es das Ende einer industriellen Tradition. Im weltweiten Münzgeschäft war es vor allem der Abbau weiterer Kapazitäten. [3] [8]
Was von der Birmingham Mint erhalten blieb
Die Fabrikfront an der Icknield Street
Der historische Standort ist nicht vollständig verschwunden. Die Front zur Icknield Street und die im Denkmaleintrag bezeichneten Hofgebäude sind als Grade II gelistet. Die Unterschutzstellung datiert vom 8. Juli 1982. [10]
Im vorderen Gebäudeteil befanden sich Büros, Buchhaltung und Lagerräume. Der Bauuntersuchungsbericht dokumentiert diese Funktionen ebenso wie erhebliche Umbauten im Inneren. An der Fabrikfront lässt sich die frühere Münzstätte noch verorten. Von den damaligen Arbeitsabläufen erzählen Pläne und Unterlagen. [5]
Firmenunterlagen im Stadtarchiv
Im Archiv der Stadt Birmingham wird der Bestand MS 1623 mit Unterlagen der Birmingham Mint geführt. Dazu gehören unter anderem Gesellschafts- und Finanzunterlagen sowie Material zu Aufträgen und zur Firmengeschichte. Der Katalog verzeichnet auch eine Akte zu Südafrika und 1874. [11]
Auf den Münzen blieb das H. Im Archiv liegen dazu Geschäfts- und Finanzunterlagen, mit denen sich Auftraggeber, Lieferungen und die Organisation der Fertigung untersuchen lassen. [11]
Ein Firmenname mit einer neuen Registergeschichte
Auch der Name besteht fort. Companies House führt „The Birmingham Mint Limited“ unter der Nummer 04836565 als aktive Gesellschaft. Eingetragen wurde sie am 17. Juli 2003. Als Geschäftssitz nennt das Register Swinford House in Brierley Hill, nicht die Icknield Street. Der eingetragene Geschäftszweck lautet „Precious metals production“ (SIC 24410). [9]
Der historische Betrieb endete 2003. Im selben Jahr begann die Registergeschichte der heutigen Gesellschaft gleichen Namens. Der Eintrag belegt den Firmennamen, den Sitz und den gemeldeten Geschäftszweck, aber keine fortgesetzte Prägung am alten Standort. [3] [9]
Was Sammler daraus mitnehmen können
Bei einer Heaton-Münze lohnt es sich, drei Angaben getrennt zu notieren: den Ausgabestaat, den Hersteller und den konkreten Münztyp mit Jahrgang und Variante. So wird aus einer nach Ländern geordneten Sammlung zusätzlich eine Geschichte der beteiligten Werkstätten.
Beim Burgerspond kommt die genaue Variante hinzu. In der Literatur und in Auktionskatalogen werden unter anderem „Fine Beard“ und „Coarse Beard“ unterschieden. Die Bezeichnung Birmingham Mint allein beschreibt daher noch nicht vollständig, welches Stück vorliegt. [2]
Ebenso wenig entscheidet das H für sich genommen über Seltenheit oder Wert. Dafür müssen der konkrete Jahrgang, die Ausführung, der Zustand und die Echtheit geprüft werden. Die Geschichte der Prägestätte hilft bei der Einordnung, ersetzt aber nicht die Untersuchung des einzelnen Stücks.
Fazit: Was nach dem Betrieb bleibt
Bei New Yorks Kampf um eine eigene US-Münzstätte blieb die Prägung ein politisches Ziel. In Birmingham war sie über Generationen ein Geschäft, das 2003 endete.
Von einer Fabrik, die über anderthalb Jahrhunderte Münzen und Rohlinge für Auftraggeber in aller Welt herstellte, sind eine geschützte Fassade, 3,3 Kubikmeter teilweise gesperrter Akten und ein Firmenname unter neuer Adresse geblieben. [9] [10] [11] Auf manchen Münzen ist diese ganze Geschichte auf einen Buchstaben geschrumpft: H. [1] [6]
Häufige Fragen zur Birmingham Mint und Heaton
Sind Birmingham Mint und Heaton Mint dieselbe Münzstätte?
In der historischen Numismatik beziehen sich beide Namen auf den aus dem Heaton-Unternehmen hervorgegangenen Prägebetrieb in Birmingham. Der Firmenname „The Mint Birmingham Limited“ wurde 1889 eingeführt. Die seit 2003 registrierte Gesellschaft ist davon zeitlich zu unterscheiden. [3] [9]
War die Heaton Mint ein Standort der Royal Mint?
Nein. Heaton war ein eigenständiger Birminghamer Betrieb, der unter anderem für die Royal Mint arbeitete. [3] [4]
Was bedeutet H auf einem britischen Penny von 1912?
H bezeichnet bei diesem Penny Heaton als Hersteller. Es steht auf der Britannia-Seite links neben der Jahreszahl. [1]
Hat die Birmingham Mint auch Goldmünzen geprägt?
Ja. Ein bekanntes Beispiel ist der Burgerspond von 1874 für die Südafrikanische Republik. Der südafrikanische Ausgabestaat und der britische Herstellungsort schließen sich nicht aus. [2]
Ist die Birmingham Mint vollständig verschwunden?
Nein. Der historische Betrieb schloss 2003, doch Teile des Gebäudebestands, Firmenunterlagen und Münzen sind erhalten. Außerdem besteht eine 2003 eingetragene Gesellschaft dieses Namens. Ihr Registerstatus belegt für sich allein keine heutige Münzproduktion. [3] [9] [10] [11]
Über den Autor
Dirk Wasserthal ist Mitgründer und Geschäftsführer von Wasserthal RareCoin.Store. Er beschäftigt sich insbesondere mit modernen numismatischen Goldmünzen, seltenen Jahrgängen, zertifizierten Sammlermünzen und der Geschichte ihrer Prägestätten und Märkte.
Transparenzhinweis
Wasserthal RareCoin.Store handelt mit seltenen modernen Goldmünzen. Dieser Beitrag dient der historischen und numismatischen Einordnung der Birmingham Mint und ihrer Prägungen. Die Beispiele stellen keine Aussage über die zukünftige Wertentwicklung einzelner Münzen dar.
Quellen und weiterführende Dokumente
[1] Museums Victoria: Penny, George V, Great Britain, 1912 – NU 1574. Objektdatensatz zum britischen Bronzepenny, seiner Herstellung bei Heaton und der Position des H.
[2] Heritage Auctions: Burgers Pond 1874, Coarse Beard, Auktion 3121, Los 31026. Objektbezogener Auktionskatalog vom 13. Januar 2025 zur Goldprägung bei Heaton und zu den Bartvarianten; Leonard Wyon wird dort als Gestalter genannt. Preis- und Bestandsangaben des Auktionshauses werden nicht als allgemeine Wertmaßstäbe übernommen. Die Auflagenzahlen der Seite widersprechen einander und bleiben deshalb unberücksichtigt.
[3] Museums Victoria, Deborah Tout-Smith: Heaton & Sons Mint, Birmingham, England. Unternehmensgeschichte: Familienbetrieb, Soho-Maschinen, erster Token, Canton-Auftrag, Namensänderung und Schließung.
[4] Bank of England Museum, Ellie Paton: The Birmingham Special, 10. September 2021. Abschnitt „Ralph Heaton Mint“, Museumsreferenz C558: Heaton beziehungsweise Birmingham Mint, H-Münzzeichen und Verbindung zur Soho-Ausstattung.
[5] Historic England, S. Ely: The Birmingham Mint and Metalworks, Icknield Street, Birmingham – Historic Buildings Report, 136/2000. Ausgewertet wurde die veröffentlichte Zusammenfassung zu Fertigstellung 1862, Raumfunktionen und erhaltenen Bauteilen. Sie beschreibt den Untersuchungsstand des Berichts, keine aktuelle vollständige Bauaufnahme.
[6] Museums Victoria: 1 Penny, Australia, 1912 – NU 4830. Objektbeschreibung mit Heaton als Prägestätte, Position des H und Auflösung der Künstlerinitialen B.M.
[7] House of Commons: Memorandum submitted by the Birmingham Mint, 22. Oktober 2002. Selbstdarstellung des Unternehmens sowie seine Vorwürfe zum Ende der 40-jährigen Konsortialvereinbarung mit der Royal Mint. Eine Stellungnahme einer Streitpartei, keine gerichtliche Feststellung.
[8] House of Commons, Treasury Sub-Committee: Anhörung vom 5. November 2003. Fragen 17–31 zur Forderung über 5,4 Millionen Pfund, zur Schließung und zum Wettbewerb.
[9] Companies House: The Birmingham Mint Limited, Gesellschaft 04836565. Eintragung am 17. Juli 2003, Status „Active“, Sitz in Brierley Hill und Geschäftszweck SIC 24410, geprüft am 4. September 2026. Der Eintrag belegt keine fortgesetzte Prägung an der Icknield Street.
[10] Historic England: Front Range of the Birmingham Mint Facing Icknield Street, and Buildings Around the Courtyard. Denkmaleintrag 1076314, Grade II, erstmals gelistet am 8. Juli 1982. Die Schutzstellung ist kein Nachweis einer vollständig erhaltenen Münzfabrik.
[11] Birmingham City Council, Archives & Collections: Records of The Birmingham Mint Ltd, MS 1623. Der Bestand umfasst 3,3 Kubikmeter und ist teilweise geschlossen. Über „Browse record in hierarchy“ führt die Seite zum Aktenkatalog. „South Africa 1874“ ist dort als MS 1623/1/10/1/31 mit einer Laufzeit von 1931–1984 verzeichnet; die Einzelakte wurde nicht ausgewertet.
[12] Birmingham City Council, Archives & Collections: British Coins & Blanks 1851–61; 1853 – 500 Tons Copper Coin for Royal Mint, MS 1623/1/10/1/6. Der Katalog beschreibt eine offene Akte mit Kopien von Verträgen und Korrespondenz zu Kupfermünzaufträgen von 1853 und 1860 sowie Vertragsbedingungen mit der Calcutta Mint über Kupferrohlinge für 1856 bis 1861. Die ungewöhnliche Laufzeit erklärt sich durch die ebenfalls enthaltene Abschrift eines Parlamentsgesetzes gegen Münzfälschung vom 11. August 1803. Die im Titel genannte Tonnage wurde nicht anhand der Akte überprüft.
Redaktionsstand: 4. September 2026.
